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Anthropic warnte, wie gefährlich es sei, also schaltete die Regierung sein mächtigstes Modell ab - dasselbe läuft frei bei der Konkurrenz

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Anthropic warnte, wie gefährlich es sei, also schaltete die Regierung sein mächtigstes Modell ab - dasselbe läuft frei bei der Konkurrenz

Anthropic vermarktete sich jahrelang als das verantwortungsvollste Unternehmen für künstliche Intelligenz - jenes, das laut warnt, wie gefährlich seine Modelle sind. Vergangenen Freitag kam diese Strategie als Bumerang zurück: Die US-Regierung ordnete eine weltweite Notabschaltung des mächtigsten Modells des Unternehmens an, genau um 17:21 Uhr Ostküstenzeit.

Betroffen sind zwei der neuesten Modelle - Claude Mythos 5, nur für etwa 50 geprüfte Organisationen verfügbar, und das gerade veröffentlichte Claude Fable 5 mit öffentlichem Zugang. Die offizielle Begründung ist eine auf ausländische Staatsbürger gerichtete Exportkontrolle, ausgelöst durch einen angeblichen „engen, nicht universellen“ Sicherheitsdurchbruch, der dem Modell erlaubte, Code zu lesen und Softwareschwächen aufzudecken.

Anthropic widerspricht entschieden. Das Unternehmen behauptet, dieselbe Fähigkeit existiere bereits bei der Konkurrenz - unter anderem bei GPT-5.5 von OpenAI - und werde von Cybersicherheitsexperten routinemäßig genutzt. Mit anderen Worten: Bestraft wird das Unternehmen, das als Erstes sagt, etwas könnte gefährlich sein, während dasselbe bei den anderen frei läuft.

Die Ironie ist vollkommen. CEO Dario Amodei baut die ganze Marketinggeschichte darauf auf, wie außergewöhnlich mächtig und deshalb außergewöhnlich riskant die Mythos-Modelle sind. Der Rivale Sam Altman von OpenAI nannte das zuvor „angstbasiertes Marketing“. Nun ist diese Angst zum regulatorischen Anlass geworden - und traf direkt Anthropics Pläne für den Börsengang.

Eine Lehre, die sich jedes Tech-Unternehmen nun merken wird: Wenn du öffentlich die Geschichte verbreitest, dein Produkt sei zu mächtig, um sicher zu sein, erwarte nicht nur Applaus. Manchmal zieht genau das denjenigen an, der die Macht hat, es abzuschalten. Auf dem Balkan wissen wir das längst - wer am meisten mit seiner Stärke prahlt, den nimmt man als Ersten ins Visier.