Skip to content

Siri im Abo: Apple wird für die Intelligenz des Telefons kassieren, das Sie längst bezahlt haben

1 Min. Lesezeit
Teilen
Siri im Abo: Apple wird für die Intelligenz des Telefons kassieren, das Sie längst bezahlt haben

In seinem letzten Ergebnisbericht als Vorstandschef von Apple sagte Tim Cook den Investoren etwas, das iPhone-Nutzer bislang nicht klar gehört haben: Die neue Siri mit künstlicher Intelligenz wird höchstwahrscheinlich nicht vollständig kostenlos sein. Wer sie viel nutzen will, zahlt mehr.

Der von Cook beschriebene Mechanismus ist kein neues Abo, sondern ein Aufschlag auf das bestehende. Die zusätzliche Rechenleistung für Siri würde über iCloud+ gekauft - denselben Dienst, der bisher Fotospeicher und Backups verkaufte. „Wir glauben, es wird Menschen geben, die sie viel nutzen wollen, also werden wir gewisse iCloud+-Upgrade-Optionen haben, bei denen Leute eine höhere Stufe kaufen können“, sagte Cook und fügte hinzu, die Pläne seien noch nicht final.

Die Cloud also, die Sie gekauft haben, damit Ihnen der Platz für Bilder nicht ausgeht, wird nun auch zum Zähler dafür, wie viel Sie mit Ihrem Telefon sprechen dürfen. Anthropic und OpenAI arbeiten längst so - eine begrenzte kostenlose Version, ernsthafte Nutzung kostet. Der Unterschied: Bei ihnen war das vom ersten Tag an erwartbar. Apple verkaufte jahrelang das Gegenteil: Zahlen Sie das Gerät einmal, alles andere kommt mit.

Hinter der Ankündigung steckt ein Scheitern, das Apple nicht benennen will. Der Konzern geriet im Rennen um einen fortgeschrittenen Assistenten so weit ins Hintertreffen, dass er ein angepasstes Gemini-Modell von Google lizenzieren musste - vom direkten Konkurrenten -, um die eigene Siri zu stärken. Und die Verspätung hat bereits Geld gekostet: ein Vergleich über 250 Millionen Dollar (rund 230 Millionen Euro) in einer Sammelklage darüber, wie die KI-Fähigkeiten des iPhone 16 beworben wurden. Eine Firma, die eine Viertelmilliarde zahlte, weil sie eine Funktion versprach, die es nicht gab, kündigt nun ebendiese Funktion als Premiumprodukt an.

Die neue Siri ist in der Beta von iOS 27 verfügbar, die breitere Auslieferung ist für diesen Herbst geplant. Dann sitzt Cook nicht mehr an der Spitze - John Ternus, langjähriger Chef des Hardware-Engineerings, übernimmt in dem Moment, in dem er zwei offene Fronten zugleich erbt: Rückstand in der Software und steigende Preise in der Hardware.

Die zweite Front ist für jeden Käufer greifbarer. Der durch KI-Rechenzentren ausgelöste Speichermangel hat die Herstellungskosten fast jedes Geräts erhöht, weshalb Meta, Samsung, Microsoft und Sony einen Teil ihrer Produkte bereits verteuert haben. Apple hob im vergangenen Monat die Preise für Mac und iPad an, das iPhone blieb bislang unangetastet. Bislang.

Am interessantesten ist, dass sich beides in dieselbe Richtung bewegt. Das Gerät wird teurer, und die Funktion, die die Verteuerung rechtfertigen sollte, verlangt nun ihr eigenes Abo. Bei uns ist ein Telefon für tausend Euro kein Impulskauf - es ist eine geplante Entscheidung. Die offene Frage ist einfach: Wie oft lässt sich ein und dasselbe Telefon in Rechnung stellen?