Skip to content

Bitola schwieg vier Tage, dann kam ein Dementi: Was geschah in den Stunden, die niemand erklärt

1 Min. Lesezeit
Teilen
Bitola schwieg vier Tage, dann kam ein Dementi: Was geschah in den Stunden, die niemand erklärt

Vier Tage Schweigen, dann eine Mitteilung aus zwei Sätzen. Mehr bekamen die Bürger von Bitola nicht zum Tod eines 39-jährigen Mannes aus Strumica, der tot im Hof der Klinik gefunden wurde - und zu dem Video, das in dieser Zeit ganz Mazedonien beschäftigte.

Das Innenministerium teilte mit, die Identität der Personen aus dem kursierenden Video sei festgestellt, mehrere Personen seien zur Vernehmung geladen. Und - das ist der entscheidende Satz - der im Krankenhaushof verstorbene J.I. sei nicht der Mann, den auf dem Video eine andere Person über den Širok Sokak schleift.

Wir haben also zwei Dinge. Eine Prügelei, gemeldet am 31. August um 03:45 Uhr bei einem Hotel am Širok Sokak. Und eine Leiche, danach im Krankenhaushof gefunden. Das Ministerium sagt: nicht dieselben Personen. Gut. Und was geschah in den Stunden dazwischen?

Genau dieser Teil bleibt leer. Der Mann war in jener Nacht in der Klinik zur Untersuchung, danach ging er. Die Leiche wurde am nächsten Tag gefunden. Zwischen diesen beiden Momenten liegt ein Intervall, das bislang niemand mit Fakten gefüllt hat. Eine Obduktion wurde von der Staatsanwaltschaft angeordnet, die Unterlagen gehen an die Behörde, mehr nicht.

Warum vier Tage?

Das Video war kein Geheimnis. Es war überall - auf Facebook, in Gruppen, auf den Handys der halben Stadt. Menschen sahen, wie ein Mann einen anderen durch die Innenstadt von Bitola zerrte, und fragten, was passiert sei. Die Institution mit der Antwort schwieg vier Tage und kam dann mit einem Dementi statt mit einer Erklärung.

Ein Dementi ist die leichte Übung. „Das ist nicht derselbe Mann“ braucht keine Ermittlung, nur den Vergleich zweier Gesichter. Die Erklärung - wer der Mann im Video ist, wer ihn schleifte, warum, ob eine Straftat vorliegt - die braucht Arbeit. Und die fehlt weiterhin.

Wenn eine Institution eine Lücke lässt, füllt sie jemand anderes. Vier Tage lang schrieben die sozialen Netzwerke das Drehbuch anstelle der Polizei. Glauben wir wirklich, das sei eine zufällige Folge und keine absehbare?