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Das estnische Blackwall ist jetzt 2,2 Milliarden Dollar wert, viermal so viel wie im Vorjahr: Bots haben das Internet überflutet, und jemand muss sie vertreiben

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Das estnische Blackwall ist jetzt 2,2 Milliarden Dollar wert, viermal so viel wie im Vorjahr: Bots haben das Internet überflutet, und jemand muss sie vertreiben

Das estnische Unternehmen Blackwall hat in einer Series-C-Runde 100 Millionen Dollar (rund 86 Millionen Euro) eingesammelt, bei einer Bewertung von 2,2 Milliarden Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro). Angeführt wurde die Runde vom Fonds AVP, auch die bisherigen Investoren Dawn Capital, MMC Ventures und Tera Ventures legten Geld nach. Laut dem Vorsitzenden Roy Karthy ist der Unternehmenswert viermal höher als bei der vorigen Finanzierung 2025.

Das Geschäft ist leicht erklärt und immer schwerer zu machen: den echten Besucher vom Bot zu trennen. Das Internet ist heute voll von DDoS-Angriffen, massenhaftem automatisiertem Abgreifen von Inhalten, Bot-Farmen und immer häufiger KI-Agenten, die außer Kontrolle geraten. In diesem Raum drängen sich bereits Giganten wie Cloudflare, Akamai und Imperva.

Blackwall tritt nicht direkt gegen sie an. Statt an Websites verkauft es an Hosting-Anbieter, Managed-IT-Dienstleister und Cloud-Firmen, die die Werkzeuge dann ihren eigenen Kunden unter eigenem Namen anbieten. Der Anbieter wählt die Bausteine selbst, legt den Preis selbst fest und teilt einen Teil der Einnahmen mit Blackwall. Das Basispaket ist kostenlos und zeigt nur, welcher Verkehr und welche Bedrohungen auf das Netz treffen - der Schutz kostet. Ein klassisches Modell: Erst zeigt man dir, wie verwundbar du bist, dann verkauft man dir das Schloss.

Die Technik dahinter sind laut Mitgründer und CEO Nikita Rozenberg digitale Fingerabdrücke: Das Unternehmen erkennt, welche Software eine Anfrage schickt - etwa Microsoft Office oder Codex - und filtert so die Bots heraus. Bei den Kunden laufen zudem eigene KI-Modelle, die Absicht und Verhalten jeder Anfrage analysieren, um einen Agenten, den ein Mensch mit echtem Anliegen geschickt hat, von einem bösartigen Bot zu unterscheiden.

Die eigentliche Chance sieht Rozenberg weiter vorn: Wenn KI-Agenten anfangen, im Namen ihrer Nutzer auf Websites einzukaufen und Geschäfte abzuschließen, muss jemand entscheiden, welcher Agent Zugang erhält, zu welchen Bedingungen und ob er bezahlen darf. Dort wartet schon Cloudflare, dessen AI Crawl Control Website-Betreibern erlaubt, einzelne inhaltesammelnde KI-Crawler durchzulassen oder zu blockieren und ihnen sogar Zugang in Rechnung zu stellen. Rozenberg argumentiert, sein Vorteil sei, dass der Kunde bei seiner Hosting-Firma bleibt, statt sich einem weiteren Sicherheitsriesen auszuliefern.

Das Geld soll in die Expansion nach Nordamerika, Europa, in den asiatisch-pazifischen Raum und den Nahen Osten fließen. Ein Unternehmen aus einem kleinen baltischen Land hat eine Bewertung von über zwei Milliarden Dollar erreicht, indem es der Hosting-Branche ein Produkt verkauft, das diese als eigenes weiterverkauft. Könnte ein Start-up vom Balkan ein so unauffälliges und zugleich so wertvolles Geschäft aufbauen?