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23.04.2026
23.04.2026
12.04.2026
Ana Brnabić, Vorsitzende der serbischen Versammlung und SNS-Mitglied, hatte einen Satz für die unzufriedenen Studenten-Demonstranten in Belgrad: „Ihnen gefällt Serbien nicht? Geht nach Kroatien, die haben offene Türen." Eine Aussage, die diplomatisch unschuldig klingt, ist politisch ein offener Angriff.
Brnabić häufte in derselben Aussage einen ganzen Satz von Behauptungen an. Die Studenten würden angeblich „direkte Anweisungen aus dem Ausland" erhalten, besonders aus Zagreb. Kroatien habe angeblich ein „strategisches Interesse" daran, dass Vučić geht, weil „Serbien Kroatien beim BIP und der Infrastruktur überholt hat". Und der provokativste Satz: Wenn die Demonstranten an die Macht kommen, „wird es keine Wahlen mehr geben".
Das ist Rhetorik, die sich über die Jahre wiederholt. Erstens: übernationale Verschwörungen. Fremde Kräfte organisieren alles. Zweitens: der Vergleich mit den Nachbarn zeigt sie als schlecht, nicht uns. Drittens: die Einschüchterung - wenn wir nicht gewinnen, wird die Apokalypse kommen. Das ist eine lehrbuchhafte autokratische Formel, komprimiert in eine Kurzform einer Morgenmitteilung.
Kroatische Medien reagierten. Ganze Kolumnen erschienen mit Überschriften wie „So lügt Brnabić den Serben über Kroatien". Das ist Teil eines längeren Musters - die Spannung zwischen Belgrad und Zagreb liegt nie weit unter der Oberfläche. Wenn Politiker in Serbien die Opposition diskreditieren wollen, ist Kroatien ein bequemes Ziel. Wenn kroatische Medien Vučić diskreditieren wollen, ist die SNS ein bequemes Ziel.
Für Mazedonien ist das ein gut bekanntes Thema. Wie oft haben Politiker zu Kritikern „geht ins Nachbarland" gesagt? Wie oft wurden Nachbarstaaten beschuldigt, Proteste zu organisieren? Die Balkanpolitik ist mit diesen rhetorischen Werkzeugen nicht innovativ - sie ist zyklisch. Und jeder Zyklus wiederholt dieselben Fehler, nur mit leicht anderer Syntax.
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