Skip to content

EU-Botschafter „schockiert" von der Deponie am Ohridsee - die Anwohner atmen sie seit Jahren ein

1 Min. Lesezeit
Teilen
EU-Botschafter „schockiert" von der Deponie am Ohridsee - die Anwohner atmen sie seit Jahren ein
Wenn ein EU-Botschafter sagt, er sei „schockiert", ist das in der Regel keine diplomatische Sprache - und genau das sagte Michalis Rokas nach dem Besuch der Deponie von Struga. „Ich bin schockiert über das Ausmaß des Problems", erklärte er. „Ich wusste, dass die Deponie nicht den Standards entspricht, aber sie so nah an der Stadt zu sehen, wenige hundert Meter von Wohnhäusern, sehr nah am Fluss und an der Wasserversorgung, und auch am See - das ist wirklich entmutigend." Die Zahlen erklären die Sorge. Die Deponie liegt nur 500 Meter von den nächsten Häusern entfernt, gefährlich nah am Crn Drim und etwa zwei Kilometer vom Ohridsee. Laut Umweltaktivisten erreichte der Müllberg 2021 rund 22 Meter, heute steht er bei etwa 30 Metern Höhe. Und das alles in einer Region unter UNESCO-Schutz. Hier ist sie, diese ewige Balkan-Geschichte, über die alle reden und die kaum jemand löst. Die EU unterstützt eine langfristige regionale Lösung zur Abfallbehandlung in Novaci, aber sie verzögert sich - und während alle warten, wächst die Deponie täglich. Bürgermeister Mendi Qura bestätigte, dass die Lage unverändert bleibt und dass über den Sommer kein Müll verbrannt werden darf, um Brände zu verhindern. Das ist das Höchste, was derzeit geboten wird: das Versprechen, dass nichts brennt. Die Frage, die sich aufdrängt, ist einfach und unbequem. Warum musste erst ein ausländischer Botschafter vor Ort erscheinen und „ich bin schockiert" sagen, damit über etwas gesprochen wird, mit dem die lokale Bevölkerung seit Jahren lebt? Die Menschen von Struga haben nichts Neues entdeckt - sie atmen das Problem jeden Tag. Bereits im August 2025 wurde sogar Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht, wegen Verletzung des Rechts auf Privatsphäre und Zugang zur Justiz. Die Deponie am Ohridsee ist nicht nur ein Umweltproblem - sie ist ein Test dafür, wie ernst wir unsere eigene Natur nehmen. Wenn etwas so Schönes und weltweit so Geschätztes wie die Region Ohrid wenige hundert Meter vom Trinkwasser entfernt verrotten gelassen wird, ist die Frage nicht mehr technisch. Die Frage ist - worauf warten wir eigentlich?