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Hat ein General Trump die Atomcodes verweigert? Eine Geschichte ohne Beweise, aber mit enormer Wirkung

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Eine Geschichte, die die sozialen Medien entzündete: Ein amerikanischer General soll Donald Trump während der Iran-Krise die Atomcodes verweigert haben. Das Weiße Haus dementiert kategorisch. Aber ist die Geschichte wichtig, selbst wenn sie nicht wahr ist?

Das Narrativ stammt von Larry Johnson, einem ehemaligen CIA-Offizier, der im Podcast "Judging Freedom" behauptete, General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, habe beim Treffen im Weißen Haus am 18. April den Befehl des Präsidenten verweigert. Aufnahmen des Generals, wie er mit gesenktem Kopf durch den Hof des Weißen Hauses geht, wurden als "Beweis" präsentiert.

Fakten versus Narrative

Kein glaubwürdiges Medium oder Regierungsfunktionär hat bestätigt, dass Trump die Aktivierung des Nukleararsenals gefordert hat. Selbst der republikanische Senator Tom Tillis sagte, er "bräuchte Bestätigung aus mehreren Quellen", bevor er überhaupt kommentiere.

Die Struktur der amerikanischen Nuklearkommandokette selbst widerlegt das dramatische Szenario. Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs ist Berater, kein operativer Kommandant. Ein rechtmäßig erteilter Präsidentenbefehl muss ausgeführt werden - er kann nicht einfach in einem Meeting abgelehnt werden. So etwas wäre eine beispiellose Verfassungskrise.

Zur Glaubwürdigkeit Johnsons: Der ehemalige CIA-Offizier tritt regelmäßig in russischen Staatsmedien auf und fördert Kreml-nahe Narrative. 2017 erhob er unbegründete Behauptungen über den britischen Geheimdienst - Behauptungen, die sowohl London als auch Washington zurückwiesen.

Die Geschichte ist ein Lehrbuchbeispiel für die Funktionsweise von Desinformation: Nimm ein reales Ereignis (das Treffen am 18. April), füge Dramatik hinzu (Atomcodes), verbreite es über einen angeblichen "Insider" - und lass das Internet den Rest erledigen. Ist es wichtig, dass sie unbestätigt ist? Für die Millionen, die sie bereits geteilt haben - überhaupt nicht.