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12.04.2026
Ein Haus von 1927, mitten im Herzen von Ohrid, neben dem Gemeindegebäude - an einem arbeitsfreien Tag mit dem Bagger abgerissen, bevor jemand reagieren konnte. Und jetzt, da von dem authentischen Bauwerk eine halbe Wand übrig ist, sagen alle Institutionen dasselbe: Wir sind nicht zuständig. Ein klassisches Balkan-Stück, in dem jeder ein Papier hat, dass er gesetzeskonform gehandelt hat, und das Gebäude ist weg.
Die Geschichte ist ein Lehrbuchfall dafür, wie Erbe verloren geht, wenn niemand „zuständig" ist. Die Bürgerinitiative „Ohrid SOS" reichte am 29. Mai einen Antrag auf dringenden vorläufigen Schutz ein, nachdem sie einen Bagger im Hof bemerkt hatte. Sie beschrieben ein wertvolles Beispiel eklektischer Stadtarchitektur aus der Zwischenkriegszeit, mit einzigartigen dekorativen Elementen, die in geringer Zahl nicht nur in Ohrid, sondern auch weiter in Mazedonien erhalten sind. Der Antrag kam kurz vor einem verlängerten Wochenende. Das Haus fiel noch vor dem Ende des Wochenendes.
Alle sind für nichts zuständig
Die Direktion für den Schutz des Kulturerbes antwortete, das Objekt „habe keinen Status eines geschützten Guts" und sie habe keine Befugnisse - zuständig sei das Institut und Museum Ohrid. Das Institut wiederum sagt, das Objekt habe tatsächlich architektonische Werte an der Südfassade gehabt und man habe geplant, es für den Schutz zu kennzeichnen, aber - „vom Abriss erfuhren wir aus den Medien". Der Antrag kam spät, man reagierte verspätet, und die alte Fassade hätte, so heißt es, nach dem Vorbild europäischer Städte in den Neubau integriert werden können und sollen.
Und die Gemeinde Ohrid? Sie besteht darauf, „im Einklang mit allen gesetzlichen Verfahren" gehandelt zu haben. Auf Antrag des Eigentümers erteilte sie eine Baugenehmigung nach dem detaillierten Stadtplan von 2008 und dem Managementplan für die Region Ohrid, mit allen nötigen Zustimmungen. Alles nach Vorschrift. Alles gesetzeskonform. Und doch - ein Gebäude von 1927 existiert nicht mehr.
Das ist die ganze Tragödie, verpackt in einen einzigen Fall. Wenn ein Haus in der Pufferzone des Altstadtkerns von Ohrid steht - einer geschützten UNESCO-Stätte - und dennoch an einem Wochenende abgerissen werden kann, weil niemand rechtzeitig ein Papier einreichte, dann liegt das Problem nicht bei einem Haus. Das Problem liegt in einem System, in dem der Schutz erst greift, nachdem der Bagger bereits fertig ist. Wie viele solcher Bauwerke werden verschwinden, während die Institutionen einander den Ball zuschieben, jede mit einem ordentlich unterschriebenen Dokument in der Hand?
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