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Innenministerium mit Wochenend-Aktion: 11 Fahrer in Gewahrsam, 113 Motorradfahrer in Skopje sanktioniert - das System lebt von Aktionen, nicht von täglichem Vollzug

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Das Innenministerium hat die Zahlen seines Wochenend-Aktionspakets veröffentlicht. Im gesamten Staatsgebiet wurden 11 Fahrer in Gewahrsam genommen. Sieben fuhren ohne Führerschein. Einer stand unter Alkoholeinfluss. Einer hatte ein Fahrverbot und setzte sich trotzdem ans Steuer. Einer war minderjährig. Das nennt das Innenministerium „rücksichtslose Fahrweise". In klarer Balkansprache - das ist jedes Wochenende in Mazedonien.

Eine weitere Zahl vom selben Wochenende - 113 Motorradfahrer in Skopje wurden sanktioniert, 45 davon ohne Helm. Das ist eine konzentrierte Aktion des städtischen Sektors für Verkehrssicherheit. Eine einzige Nacht Arbeit, mehr als 100 Verstöße. Die Zahlen, die die Öffentlichkeit erhält, sind hoch. Die Frage, die jedes Jahr aufkommt - ist das das Zeichen einer erfolgreichen Aktion, oder das Zeichen eines gescheiterten Systems?

113 Motorradfahrer ohne Helm in Skopje in einer Nacht bedeutet, dass draußen Hunderte unterwegs sind, die nach denselben Regeln fahren. Die Polizei kann 113 in einer Aktion einsammeln. Das ist nicht das Ergebnis - das ist die Stichprobe. Die tatsächliche Zahl der Helmlosen geht in die Tausende, und das jeden Tag. Die Polizei arbeitet eben in Aktionseinsätzen - an den anderen 363 Tagen des Jahres fahren die meisten ungehindert vorbei.

Sieben Fahrer ohne Führerschein - das ist ein zusätzlicher Hinweis auf etwas Komplexeres. Fahrer ohne Führerschein sind oft keine Menschen, die keinen wollen. Es sind Menschen, die ihn verloren haben oder ihn nie bekommen haben, wegen einer nicht bestandenen Prüfung oder unbezahlter Strafen. Sie hören nicht auf zu fahren. Sie fahren nur bis zu dem Moment, in dem sie erwischt werden. Die Polizeiaktion behandelt nicht die Ursachen - nur die Folgen.

Eine klassische Balkan-Diagnose dieser Szene. Das System funktioniert über Aktionen, nicht über täglichen Vollzug. Die Polizei schiebt intensive Tage, die Journalisten veröffentlichen die Zahlen, der Innenminister gibt eine Erklärung ab. Zwischen den Aktionen - kennen die Fahrer die Regeln. Ohne Helm - geht. Ohne Führerschein - geht bis zur ersten Polizeikontrolle. Mit Alkohol - solange du keinen Unfall baust, schreibt dich niemand auf.

Für die Bürger bedeuten die Wochenendzahlen nichts, wenn sich die Trends nicht ändern. Die jährliche Zahl der Verkehrsunfälle, Verletzten und Toten ist es, was die Wirksamkeit tatsächlich misst. Mazedonien hat etwa 130 Verkehrstote pro Jahr - eine Zahl, die zurückgeht, aber langsam. Und jedes Jahr dieselbe Geschichte. Aktionspakete, hohe Zahlen in den Pressemitteilungen, echte Verhaltensänderungen - minimal. Solange das System nicht begreift, dass Aktionen tägliche Präsenz nicht ersetzen können, bleibt die Lage auf den Straßen, wie sie ist.