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Schnellster Mindestlohnanstieg in Europa: 6,9 Prozent, und trotzdem 624 Euro brutto

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Schnellster Mindestlohnanstieg in Europa: 6,9 Prozent, und trotzdem 624 Euro brutto

Mazedonien ist in Europa Erster beim Tempo des Mindestlohnwachstums. Ein Anstieg von 6,9 Prozent von Januar bis Juli dieses Jahres - mehr als Rumänien und Estland, die mit 6,8 den zweiten Platz teilen.

Das ist die Schlagzeile, die jeder mitnimmt, der eine gute Nachricht sucht. Jetzt der zweite Teil.

Der Bruttomindestlohn beträgt bei uns 624 Euro. Das setzt uns in den unteren Bereich der europäischen Liste - unter Serbien mit 743 Euro und unter Montenegro mit 670, und fast gleichauf mit der Türkei mit 621 Euro.

Wo die leben, die über 2.000 Euro haben

Nur fünf europäische Länder haben einen Bruttomindestlohn über 2.000 Euro im Monat. Luxemburg führt mit 2.771 Euro. Es folgen Irland mit 2.391, Deutschland mit 2.343, die Niederlande mit 2.338 und Belgien mit 2.234 Euro. Den niedrigsten in der EU hat Bulgarien - 620 Euro.

Das Mittelfeld bilden Slowenien, Spanien, Litauen, Polen, Zypern, Griechenland, Portugal und Kroatien, die meisten näher an 1.000 als an 1.500 Euro.

Rechnet man die Kaufkraft ein, verschiebt sich das Bild. Nach Kaufkraftstandard liegt Deutschland mit 2.164 KKS vorn, vor Luxemburg mit 2.108. Mazedonien steigt vom 24. auf den 16. Platz, Rumänien vom 20. auf den 12. Bei uns ist der Mindestlohn rund 1.142 KKS wert - das setzt uns vor sieben EU-Mitgliedstaaten, darunter Malta, die Slowakei und Ungarn.

Die Zahl, die die Debatte beendet

All diese Ranglisten sind interessant. Eine Rechnung wiegt schwerer als sie alle zusammen.

Ein Vierpersonenhaushalt in Mazedonien braucht rund 1.100 Euro im Monat für Grundausgaben. Der Mindestnettolohn liegt bei etwa 420 Euro.

Das ist eine Differenz von knapp 700 Euro. Kein Wachstumsprozent, kein gewonnener Listenplatz und kein Kaufkraftstandard schließt dieses Loch. Zwei Erwachsene auf Mindestlohn bringen 840 Euro - immer noch weniger, als die Familie braucht.

Beachten Sie noch eine Angabe, die selten in die Schlagzeilen kommt: Nur acht von 29 europäischen Ländern erhöhten den Bruttomindestlohn zwischen Januar und Juli, während die Inflation in der Eurozone 3,2 Prozent erreichte. Das heißt, in einem Teil Europas verlor der Mindestlohn real an Wert.

Bei uns wuchs er am schnellsten. Das schnellste Wachstum vom niedrigsten Startpunkt endet trotzdem bei 624 Euro brutto. Der Prozentsatz ist ausgezeichnet für eine Mitteilung. Was am Monatsende zählt, ist die Differenz zwischen 420 und 1.100.