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1.500 Euro für eine Nacht im Glaszimmer mitten in der ältesten Wüste der Welt: Das Glaszimmer ist die Werbung, die Wüste ist die Geschichte

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1.500 Euro für eine Nacht im Glaszimmer mitten in der ältesten Wüste der Welt: Das Glaszimmer ist die Werbung, die Wüste ist die Geschichte

Mitten in der Namib-Wüste, in einem Land, in dem kilometerweit nichts ist außer Sand, steht eine ovale Konstruktion aus Stahl, Glas und Holz. Sie heißt Desert Whisper. Sie hat einen privaten Pool, ein Teleskop und einen Preis von rund 1.500 Euro pro Nacht, für zwei Personen.

Das sind 92.000 Denar für eine Übernachtung. Tun wir nicht so, als wäre das ein Urlaubsvorschlag - das ist ein Vorschlag zum Anschauen. Aber das Anschauen lohnt sich, denn die Geschichte hinter dem Bau ist interessanter als der Preis.

Ein Raum mit raumhohen Glaswänden, kreisförmig, auf einem Felsen platziert, mit 180-Grad-Blick über die Dünen. Küche mit Kühlschrank und Minibar, Frühstückstheke, Klimaanlage, Internet, eine Glasdusche direkt im Wohnbereich, eine Holzterrasse mit Esstisch im Freien und ein kleiner runder Pool mit Liegen. Dazu ein Teleskop, das in der Namib keine Dekoration ist - dort liegt einer der dunkelsten Nachthimmel des Planeten, ohne Lichtverschmutzung auf Hunderte Kilometer.

Der Schauspieler Mario Casas und die Content-Creatorin Melissa Pinto waren kürzlich dort. Ihr Kommentar: „Ich hätte nie geglaubt, dass ein Ort mich fühlen lassen kann, als wäre ich auf einem anderen Planeten.” Der Satz ist genau das, was man von einem Influencer-Post erwartet. Das Problem ist, dass es im Fall der Namib schwer ist, einen besseren zu finden.

Wissenswert an der Namib ist, dass sie keine gewöhnliche Wüste ist. Sie ist die älteste Wüste der Welt - rund 55 Millionen Jahre alt - und die einzige, deren Dünen direkt in den Atlantik abfallen. Von Desert Whisper aus werden Ballonflüge über die Dünen bei Sonnenaufgang organisiert sowie Ausflüge nach Sossusvlei und Deadvlei - jenem Ort mit jahrhundertealten toten Bäumen, die aufrecht in einer weißen Lehmpfanne stehen, eine der meistfotografierten Szenen Afrikas.

Und nun der Teil, den Reisetexte nie schreiben. Namibia gehört zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt - riesige Fläche, wenige Menschen, wenig Wasser. Luxustourismus ist dort keine Nebentätigkeit, sondern eine der tragenden Säulen der Wirtschaft. Wenn eine Nacht im Glaszimmer in einem Land mit diesem Profil 1.500 Euro kostet, ist das für sich genommen kein Skandal, aber auch keine neutrale Information.

Ist das ein Ort, an den ein realer Mensch von hier fahren würde? Wahrscheinlich nicht, jedenfalls nicht ins Desert Whisper. Aber Namibia beginnt und endet nicht mit diesem Gebäude - Camping in den Nationalparks, die Wasserlöcher, an die abends die Elefanten kommen, und die Skelettküste, wo hundert Jahre alte Schiffswracks noch immer im Sand liegen, sind für sehr viel weniger zu haben. Das Glaszimmer ist die Werbung. Die Wüste ist die Geschichte.