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Eine Stunde für sechzig Kilometer, und niemand entschuldigt sich dafür: der Zug aus den Achtzigern, der durch den Sil-Canyon fährt

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Eine Stunde für sechzig Kilometer, und niemand entschuldigt sich dafür: der Zug aus den Achtzigern, der durch den Sil-Canyon fährt

Sechzig Kilometer. Eine Stunde Fahrt pro Richtung. Und ein Preis von 28,95 Euro für Erwachsene, hin und zurück. Das ist die gesamte Arithmetik des Galaico Express - des Zuges, der samstags bis Ende Oktober von Ourense nach Monforte de Lemos durch die Ribeira Sacra fährt.

Die Waggons stammen aus den Achtzigern, restauriert, mit originalem Holzinterieur und großen Fenstern. Die Lokomotive ist eine Baureihe 269, in Spanien in Mitsubishi-Lizenz gebaut, weshalb sie im Volksmund „die Japanerin“ heißt. Die Plätze sind nummeriert und reserviert. Nichts an dieser Beschreibung ist neu, schnell oder clever - und genau das ist der Punkt.

Was man durchs Fenster sieht

Die Strecke führt an Barra do Miño vorbei, einem kleinen Flussort mit Strand, dann durch Os Peares, wo Miño und Sil zusammenfließen. Der spektakulärste Abschnitt kommt bei San Estevo do Sil, wo sich die Trasse über dem Canyon entlangschlängelt. Unten der Fluss, oben Terrassenweinberge, die an Hängen kleben, die viel zu steil aussehen, um irgendetwas zu halten.

Das ist keine bloße Kulisse. Die Ribeira Sacra ist eine der ältesten Weinregionen Europas, gerade weil jemand entschied, dass dieser Hang es wert ist, von Hand bearbeitet zu werden, Terrasse für Terrasse, über Jahrhunderte. Wer die Weinberge über Tikveš oder über Demir Kapija gesehen hat, weiß, wie viel Arbeit ein geneigtes Gelände verlangt - der Unterschied ist, dass diese Arbeit hier in einen Fahrplan gesetzt und als Aussicht verkauft wird.

Was an beiden Enden liegt

Ourense ist eine Thermalstadt - die Quellen bei Outariz liegen am Fluss Miño, und As Burgas befindet sich mitten im Zentrum. Heißes Wasser unter freiem Himmel, ohne ein einziges Spa-Paket dazwischen. Monforte de Lemos am anderen Ende beherbergt den Klosterkomplex San Vicente do Pino und das Eisenbahnmuseum Galiciens, was in einer Stadt am Ende einer historischen Strecke kein Zufall ist.

Den Sil-Canyon kann man auch von unten sehen, mit dem Katamaran. Das ist die zweite Hälfte desselben Bildes - einmal sieht man den Canyon von der Schiene, einmal vom Wasser.

Was dieser Zug wirklich verkauft, ist kein Ziel, sondern ein Tempo. Eine Stunde für sechzig Kilometer heißt, dass niemand hetzt und sich niemand dafür entschuldigt. Würde bei uns jemand darauf kommen, dass eine alte Strecke durch eine Schlucht mehr wert ist als Aussicht denn als Abkürzung?