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Ravello liegt 365 Meter über Amalfi, und nur sieben Kilometer Serpentinen führen hinauf: der Ort, den die Menge nicht gefunden hat

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Ravello liegt 365 Meter über Amalfi, und nur sieben Kilometer Serpentinen führen hinauf: der Ort, den die Menge nicht gefunden hat

Die Amalfiküste hat ein Problem, das wenige Orte der Welt ein Problem nennen würden: Zu viele Menschen wollen sie sehen. Amalfi, Positano, Maiori und Minori liegen unten, direkt am Wasser, verbunden durch eine schmale Straße, auf der Busse einander um Zentimeter ausweichen, und im Juli sieht man dort weder Meer noch Dorf - man sieht Menschen. Und dann gibt es Ravello.

Ravello liegt 365 Meter über der Küste, verborgen in mediterraner Vegetation. Von unten sind es nur sieben Kilometer, aber diese sieben Kilometer sind gewunden, eng und voller Kehren, und genau deshalb gibt es dort keine Menge. Die Touristendichte ist geringer als an der restlichen Küste, und was man als Kern des amalfitanischen Alltags beschreibt, ist dort noch unberührt.

Vom Dorf zur Stadt der Musik. Ravello kam im neunten Jahrhundert zum Herzogtum Amalfi, wuchs aber erst wirklich, als es 1086 Bischofssitz wurde. Damals entstand die Kathedrale, und reiche Handels- und Wollfamilien begannen, Paläste zu errichten. Villa Rufolo mit arabisch-normannischer Architektur und hängenden Gärten. Palazzo Avino und Palazzo Confalone, heute beide Luxushotels.

1880 kam Richard Wagner hierher. Er war so begeistert, dass er den zweiten Akt seiner Oper „Parsifal“ inspiriert von den Gärten der Villa Rufolo schrieb. Seit 1953 findet dort ein seinem Erbe gewidmetes Festival statt, eines der wichtigsten Musikereignisse Italiens. Deshalb trägt Ravello den Beinamen „Stadt der Musik“. 2011 wurde zwischen diesen engen Gassen auch das Auditorium von Oscar Niemeyer eröffnet, benannt nach dem Architekten, der es entwarf.

Die Terrasse, die wichtiger ist als alle anderen. In der Villa Cimbrone liegt die berühmte Terrasse der Unendlichkeit, in der Villa Rufolo die Gärten, an die sich jeder erinnert, der sie gesehen hat. Von dort zerfällt das Blau in zehn Schattierungen - von tiefem Meeresblau bis Perlmutt - und all das wirkt am besten am späten Nachmittag, wenn die Sonne hinter dem Horizont sinkt und sich im Wasser spiegelt. Man beschreibt es als den schönsten Sonnenuntergang über der Halbinsel von Sorrent.

Das Hotel Caruso, Teil der Belmond-Gruppe, hat einen Pool mit Blick auf eben diesen Sonnenuntergang, und man muss nicht übernachten, um hineinzukommen - es gibt eine Tageskarte. Das Restaurant „Il Pantaleone“ führt Küchenchef Armando Aristarco.

Was man sich von Ravello merken sollte, ist nicht die Preisliste der Hotels, sondern der Mechanismus. Ein Ort blieb still, nicht weil jemand ihn geschützt hat, sondern weil der Weg dorthin eine Spur beschwerlicher ist als der zum Nachbarort. Sieben Kilometer Serpentinen schafften, was unten an der Küste keine Tourismusverordnung geschafft hat.