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Von Rimini nach Ferrara: Die italienische Adria, die der Balkan nicht auf der Postkarte sieht

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Die italienische Adria ist nicht nur Venedig und Rimini mit den Stränden. Zwischen ihnen liegt ein Streifen aus alten Fischereihäfen, mittelalterlichen Städten und Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert - den die meisten Touristen umgehen und den der Balkan fast nie organisiert besucht.

Rimini ist der Ausgangspunkt. Hinter den bekannten Stränden des 20. Jahrhunderts - jenen aus den Filmen mit Sophia Loren und dem jungen Fellini - liegt das alte Zentrum mit dem Augustusbogen, dem Malatesta-Tempel mit Fresken von Giotto und Piero della Francesca und dem Fellini-Museum im Castel Sismondo. Es ist kein urbanes Herz für Postkarten, sondern für einige Stunden Spaziergang.

Ein paar Kilometer weiter liegt Santarcangelo di Romagna. Eine mittelalterliche Stadt mit Mauern, engen Kopfsteinpflastergassen, Häusern in Pastelltönen. Hier befindet sich die Druckerei Stamperia Marchi, in der noch immer eine hölzerne Druckmaschine von 1633 und ein geheimes Rezept aus dem 17. Jahrhundert für natürliche Farben auf Textilien verwendet wird. Es ist keine Rekonstruktion für Touristen - es ist eine arbeitende Handwerkerwerkstatt.

Cesenatico und Cervia sind Fischereistädte mit Häfen, die Leonardo da Vinci entworfen hat. Cervia hat eine jahrhundertealte Tradition der Salzgewinnung, und das Museum MUSA und das Festival Sapore di Sal öffnen dieselben Geheimnisse, die die Venezianer gelehrt haben. Der Balkan versteht das - Salz, Fisch und eine kleine Stadt, die seit drei Jahrhunderten im selben Rhythmus des Meeres lebt.

Ravenna ist die Krone der Reise. Man nennt sie "die Welthauptstadt der Mosaike", und das ist nicht übertrieben: acht frühchristliche UNESCO-Denkmäler, darunter die Basilika San Vitale mit einer der schönsten frühchristlichen Dekorationen Europas. Hier liegt auch das Grab von Dante Alighieri, der im Exil in dieser Stadt starb und nicht in seinem heimischen Florenz.

Ein kurzer Ausflug führt nach Comacchio - eine kleine Stadt, erbaut auf 13 Inseln, im Kanalstil, mit einer Aaltradition, die seit Jahrhunderten gepflegt wird. Ferrara schließt die Tour: eine Renaissance-Stadt, geplant von der Familie Este, mit 9 Kilometern Stadtmauer, ideal für eine Radtour durch die alte Stadtgeometrie.

Warum sieht der Balkan das nicht? Weil die Agenturen Venedig und Rom verkaufen, nicht die Romagna. Wir alle kennen die Kampanien und die Toskana, ein wenig die Region um Bologna. Und in der Zwischenzeit liegt 200 Kilometer südlich von Venedig ein ähnlich reicher historischer Streifen - mit der Hälfte der Touristen und dreimal besseren Restaurants. Vielleicht das nächste Mai-Wochenende anders buchen.