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Eine 120-Quadratmeter-Wohnung in Madrid, 2026 saniert - und die größte Entscheidung war, was nicht abgerissen wurde: die Stuckdecken von 1972 blieben

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Eine 120-Quadratmeter-Wohnung in Madrid, 2026 saniert - und die größte Entscheidung war, was nicht abgerissen wurde: die Stuckdecken von 1972 blieben

Eine 120 Quadratmeter große Wohnung in Madrid, gebaut 1972. Saniert 2026. Und die größte Entscheidung im gesamten Projekt war das, was nicht abgerissen wurde.

Das Studio Vílchez Uriarte - die Architektin Cristina Vílchez und die Innenarchitektin Mireia Uriarte - behielten den Großteil des ursprünglichen Grundrisses, sämtlichen Deckenstuck und einen Teil der Möbel, die das Haus bereits hatte. In einer Zeit, in der jede Sanierung mit einem Container und dem Wort „offener Grundriss“ beginnt, ist das eine nahezu provokante Entscheidung.

Wohn- und Esszimmer: ein Ort, zwei Rollen

Beide teilen einen offenen Raum, sind aber nicht verschmolzen. Eine Trennwand vom Boden bis zur Decke trennt sie, ohne sie zu isolieren - eine Lösung, die eine klare Grenze schafft, wo eine Wand Abgeschlossenheit brächte. Die Palette ist neutral: puderfarbenes Beige, Weiß und Holz. Die Sessel wurden nicht weggeworfen, sondern mit Textil von Gancedo neu bezogen. Über dem Sofa hängt ein zeitgenössisches Werk von Elena Yv-Skaya.

Im Esszimmer steht ein klassischer Holztisch mit zeitgenössischen leichten Stühlen - eine Kombination, die nicht verlangt, dass alles aus derselben Epoche stammt. Zur Küche führt eine Tür aus schwarzem Eisen und Glas: Sie hält den Blick offen und den Raum eigenständig.

Der Flur ist keine verlorene Fläche

Der Eingang löst die schwierigste Frage jeder Wohnung aus den Siebzigern - zu wenig Licht und zu wenig Tiefe. Die Antwort ist ein Spiegel vom Boden bis zur Decke, absichtlich gealtert, der das Licht zurückgibt und die wahrgenommene Tiefe verdoppelt. Davor steht eine Steinkonsole, vom Studio selbst maßgefertigt, mit abgerundeten geometrischen Öffnungen, die dem traditionellen Ton des Spiegels direkt entgegenlaufen.

Eingang mit gealtertem Spiegel und Steinkonsole

Küche und Arbeitsecke

Die Küche ist funktional, ohne chirurgisch zu wirken: Maßmöbel, hell unten und dunkel oben, eine Arbeitsplatte aus Dekton und eine durchgehende Front, die den visuellen Lärm senkt. Daneben liegt die Arbeitsnische, und dort passiert die interessanteste Entscheidung der Wohnung - eine botanische Tapete von William Morris, so angebracht, dass sie wie ein gerahmtes Bild wirkt und nicht wie ein Wandbelag. Mit einem abgerundeten Tisch und einer eingebauten Bank hört sie auf, Büro zu sein, und wird zu einem Ort, an dem sich jemand hinsetzt.

Die Schlafzimmer: Grün statt Weiß

Das Hauptschlafzimmer behielt den klassischen Stuck an der Wand hinter dem Bett und setzt auf helle Töne, mit grünen Textilakzenten und goldenen Wandleuchten. Daneben liegt die Ankleide mit weißen profilierten Türen und schwarzen Metallbeschlägen, der Boden läuft ohne Unterbrechung weiter. Das Waschbecken dort ist als Frisiertisch gestaltet, nicht als Sanitärelement.

Schlafzimmer mit klassischem Stuck und grünen Textildetails

Das Gästezimmer geht mutiger vor: eine Wand aus tiefgrünem Harz mit Textur, über dem Bett vier botanische Drucke. Weiß, Grün und Holz, im Gleichgewicht. Das zweite Bad kombiniert Stein, dunkles Holz und Weiß, mit einer großen Spiegelfläche und einer Wandnische statt Regalen.

Was diese Sanierung sagt

Bei uns bedeutet die Sanierung einer alten Wohnung fast immer dasselbe: alles runter bis auf den Beton, dann Gips, dann alles neu. Das hat seine Logik - der Aufwand, alten Stuck zu retten, ist größer als der für eine neue Decke, und der Handwerker, der ihn restaurieren kann, ist teurer als jener, der ihn ersetzen kann.

Doch die Rechnung am Ende ist interessanter, als sie aussieht. Diese Wohnung ist nicht teuer, weil sie teure Materialien hätte; sie hat eine maßgefertigte Konsole, neu bezogene Sessel und Tapete wie Kunst gehängt. Das Teuerste darin ist die Entscheidung, zu behalten, was schon vierundfünfzig Jahre stand. Wie viele Wohnungen in unseren Siebzigerjahre-Blocks hatten genau solchen Stuck, bevor die erste abgehängte Decke ihn verdeckte?