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Eine Nachricht zu bekommen heißt nicht, sofort antworten zu müssen: eine Neurowissenschaftlerin erklärt die Bereitschaft, die niemand verlangt hat

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Eine Nachricht zu bekommen heißt nicht, sofort antworten zu müssen: eine Neurowissenschaftlerin erklärt die Bereitschaft, die niemand verlangt hat

Eine Nachricht kommt an. Du hast sie nicht gelesen, weißt nicht, von wem sie ist, weißt nicht, ob sie wichtig ist. Und schon fällt es dir schwerer, zu dem zurückzukehren, was du vor drei Sekunden getan hast. Ana Asensio, Psychologin und promovierte Neurowissenschaftlerin, sagt es ohne Dramatik: „Benachrichtigungen mögen wie etwas sehr Kleines wirken, für unser Gehirn sind sie es aber nicht immer.“

Es geht nicht um die Nachricht, sondern um das, was ihr vorausgeht. „Das Gehirn gerät in eine Dynamik permanenter Unterbrechung und Erwartung“, sagt sie. Jedes Klingeln öffnet eine Leerstelle, die geschlossen werden will, und solange sie offen bleibt, hängt ein Teil der Aufmerksamkeit dort fest. Sammle zehn solcher Leerstellen an einem Nachmittag, und du bringst nichts mehr zu Ende.

Der zweite Teil ist eher sozial als technologisch. Viele glauben, sofort antworten zu müssen, als brächte schon der Empfang eine Pflicht mit sich. Asensio räumt damit in einem Satz auf, den manche zweimal lesen sollten: „Eine Nachricht zu bekommen heißt nicht, sofort antworten zu müssen.“ Und noch schärfer: „Wir können jemanden sehr lieben und ihm drei Stunden später oder am nächsten Tag antworten.“

Hier liegt der eigentliche Knoten. Die Antwortzeit ist zum Maß dafür geworden, wie wichtig einem jemand ist - obwohl sie das mit nichts misst. „Ich bin gerade nicht verfügbar“ heißt nicht „du bist mir egal“, sagt die Psychologin, aber genau diese Übersetzung nehmen Menschen beim Warten selbst vor.

Die Vorschläge brauchen keine neue App und keinen digitalen Entzug auf einem Berg. Schalte die Benachrichtigungen aus, die du nicht brauchst. Vereinbare einen Kanal, der wirklich dringend ist, damit du weißt, dass alles andere warten kann. Schick eine kurze Bestätigung, dass du es gesehen hast, wenn du nicht sofort antworten kannst. Und entscheide bewusst, wann du verfügbar bist, statt das vom Telefon anderer entscheiden zu lassen.

Asensios Schlusssatz gehörte in jedem Büro über den Bildschirm: „Technik soll uns die Kommunikation erleichtern und nicht dafür sorgen, dass wir uns dauernd in Bereitschaft fühlen.“ Die Frage ist, wer diese Bereitschaft eingeführt hat, wenn sie nie jemand verlangt hat.