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Die alte Kommode wird nicht weggeworfen, sie wird gestrichen: eine Dose Farbe und ein Wochenende kosten weit weniger als neue Möbel

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Die alte Kommode wird nicht weggeworfen, sie wird gestrichen: eine Dose Farbe und ein Wochenende kosten weit weniger als neue Möbel

Jahrelang galt eine Regel: alles neutral, alles aus derselben Kollektion, alles passend. Das Ergebnis ist ein Wohnzimmer, das wie ein Katalog aussieht und nichts darüber sagt, wer darin wohnt. Jetzt kehrt die Farbe auf die Möbel zurück - und zwar nicht über Neukäufe, sondern über den Pinsel auf dem, was ohnehin schon zu Hause steht.

Anrichten, Vitrinen, Kommoden, kleine Beistelltische und Küchenfronten. Das sind die Stücke, die am häufigsten gestrichen im Netz auftauchen, weil sie am schnellsten liefern, was einem Raum fehlt: Tiefe und Charakter. Ein gestrichenes Stück bricht die Monotonie eines Raums, in dem alles dieselbe Farbtemperatur hat.

Die Vorbereitung ist der Teil, den alle überspringen

Bevor eine Dose geöffnet wird, wird das Möbel gründlich von Fett, Staub und Schmutz befreit. Ist der vorhandene Lack oder Anstrich in gutem Zustand, wird leicht angeschliffen. Ist die Oberfläche sehr glänzend, kommt eine Grundierung darauf. Dann zwei dünne Farbschichten, mit eingehaltener Trockenzeit dazwischen, und leichtem Zwischenschliff für ein gleichmäßiges Finish. Bei einem Stück, das viel benutzt wird, kommt zum Schluss ein Schutzlack.

Die Farbe richtet sich nach dem Alter des Stücks

Ein altes Stück aus der Garage oder von der Großmutter wird nicht mit irgendeiner Farbe aufgefrischt. Tiefe Töne - Olivgrün, Petrol, Bordeaux oder Schokobraun - bewahren das Alter, ohne das Möbel in Bauerndeko zu verwandeln. Weiche, warme Neutraltöne passen zu Stücken mit viel Zierrat, weil sie sich nicht mit der Schnitzerei streiten.

Grün gestrichene Vitrine mit Sekretär in einem hellen Raum

Griffe entscheiden mehr, als es scheint

Dieselbe gestrichene Kommode wirkt mit Keramik- oder Holzgriffen entspannt und mit Messing, Bronze oder klar gezeichnetem Eisen streng. Der Wechsel dauert eine halbe Stunde und kostet so viel wie ein Abendessen. Die einzige Falle ist der Abstand der vorhandenen Bohrungen: Passen die neuen Griffe nicht, müssen die alten Löcher zuerst gefüllt, geschliffen und überstrichen werden, sonst sieht man die ganze Mühe aus einem Meter Entfernung.

Von der glatten Farbfläche zur Handzeichnung

Geometrische Muster, Schablonen und von Hand gezeichnete Details sind die nächste Stufe. Die Schablone wird mit Malerband fixiert, die Farbe sehr sparsam aufgetragen, damit sie nicht unter den Rand läuft, und die Schablone abgenommen, bevor die Farbe ganz trocken ist. Freihand gezeichnete Details übt man zuerst auf einem Stück Restholz. Die Größe des Motivs richtet sich nach der Größe des Möbels, nicht umgekehrt.

Abgenutzt oder Hochglanz

Zwei gegensätzliche Richtungen, und beide funktionieren. Das abgenutzte Finish entsteht aus einer Grundschicht, dann einer Kontrastschicht und selektivem Schleifen an Kanten und Ecken, genau dort, wo der Gebrauch die Farbe natürlich abtragen würde. Gleichmäßig verteiltes Schleifen wirkt unecht. Das Gegenteil, der lackierte Glanz, gibt ein ganz anderes Gewicht: intensives Blau, Flaschengrün oder Dunkelrot mit Glanz bekommen eine Präsenz, die matte Farbe nie liefert.

Die Farbe, die bewusst nicht passt

Der wirkungsvollste Zug ist zugleich der riskanteste: Man wählt einen Ton, der offensichtlich aus der Palette des Raums fällt. Damit das nicht wie ein Fehler aussieht, wird dieselbe Farbe in Kleinigkeiten wiederholt - Kissen, Lampe, Bild oder Objekt. Dann liest sich das Stück als Entscheidung, nicht als Ausnahme. Die entgegengesetzte Strategie ist milder: Hat der Raum eine mehrfarbige Tapete, wird das Möbel in einer der Nebenfarben gestrichen, nicht in der dominanten. Das Ergebnis ist eleganter.

Küche mit gestrichenen Fronten und gemusterten Bodenfliesen

Die Küche muss nicht herausgerissen werden

Sind die Fronten gut, braucht es keine komplette Renovierung. Es gibt Farben, die für Holz, Laminat und andere Oberflächen entwickelt wurden. Die aktuelle Lösung ist, mindestens zwei Farben in derselben Küche zu kombinieren, statt alles in einen Ton zu setzen. Dieselbe Logik gilt für Möbel, die nicht mehr passen: Der Sekretär wird zur kleinen Speisekammer, die Vitrine zur Bar, die Kommode zieht in den Flur. Man muss nur prüfen, ob Maße und Konstruktion die neue Aufgabe tragen.

Auch Schwarz ist eine Option

Schwarze Möbel müssen nicht kalt wirken. Entscheidend ist, was um sie herum steht. Eine hellgraue Wand mildert den Kontrast weit mehr als eine weiße. Holz, Naturfasern und lebendige Textilien, Körbe, eine Holzplatte auf dem Tisch, rosa Details und goldene Griffe nehmen dem Stück die Strenge.

Was die ganze Geschichte trägt, ist nicht der Trend, sondern die Rechnung. Eine neue Kommode kostet, was sie kostet. Eine Dose Farbe, etwas Schleifpapier und ein Wochenende kosten weit weniger, und das Ergebnis ist ein Stück, das sonst niemand hat. Auf dem Balkan hieß das früher Sichzuhelfenwissen. Jetzt hat es einen besseren Namen und einen eigenen Hashtag.