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Ein Kardiologe führt die Studentenliste in Serbien an - und die Boulevardpresse greift ihn bereits an

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Ein Kardiologe führt die Studentenliste in Serbien an - und die Boulevardpresse greift ihn bereits an

In Serbien finden am 25. Oktober vorgezogene Parlamentswahlen statt, und an der Spitze der Liste „Studentenliste - Studenten siegen“ steht ein Mann, der bis vor kurzem vor allem in medizinischen Kreisen bekannt war. Ilija Srdanović, Kardiologe aus Novi Sad und ordentlicher Professor an der Medizinischen Fakultät. Kaum war seine Kandidatur bekannt, gingen die regierungsnahen Boulevardblätter zum Angriff über - und das sagt mehr über die Lage als jede Umfrage.

Wer dieser Mann ist

Geboren 1970, Medizinstudium abgeschlossen 1995, Facharzt für Kardiologie bis 2004. Seit 1997 arbeitet er am Institut für kardiovaskuläre Erkrankungen in Sremska Kamenica, ordentlicher Professor wurde er 2025. Das ist die Biografie eines Arztes, nicht eines Politikers - was genau der Punkt jener Liste ist, die ihn aufgestellt hat.

In die Öffentlichkeit trat er im Februar 2025, als er sich an Medizinstudenten mit dem Satz wandte, es sei „völlig normal, die Forderungen nach einer besseren Zukunft unserer Jugend zu unterstützen“. Am 20. März 2025 befragte ihn die Polizei in seiner Eigenschaft als Bürger; er bestritt, festgenommen oder misshandelt worden zu sein. Man beachte, wie klein dieser Unterschied in der Formulierung ist - und wie viel er bedeutet in einem Land, in dem eine Befragung schnell zu etwas anderem werden kann.

Elf Punkte und eine Lücke

Das Programm der Studentenliste hat 11 Punkte und zielt auf Korruptionsbekämpfung, Justizreform, Sanierung des Gesundheitswesens und Medienregulierung. Die Außenpolitik bleibt allerdings weitgehend unausgearbeitet - und genau das lohnt die Beobachtung. Gegen Korruption zu sein ist leicht; schwerer ist zu sagen, wo man zwischen Brüssel und Moskau steht, wenn die Frage unausweichlich wird.

Das regierungsnahe Boulevardblatt „Informer“ nennt ihn „Geiger“ und „Ultra-Blockierer“ und erhebt unbelegte Vorwürfe zu seiner Arbeit, ohne Unterlagen vorzulegen. Das ist dieselbe Mechanik, die man auch weit über Belgrad hinaus kennt: Ist das Argument schwach, greift man die Biografie an; ist auch die sauber, erfindet man ein Etikett.

Warum man das auch aus Skopje sieht

Medien nahe Aleksandar Vučić sehen in Srdanović die größte Bedrohung für die amtierende Regierung. Das ist ein Eingeständnis, das keine Umfrage liefern kann - Regime verschwenden keine Boulevard-Artillerie auf Kandidaten, die ihnen keine Sorgen machen.

Und die Szene, in der eine Studentenbewegung zur Wahlliste wird und ebendiese Liste dann zum Ziel der auflagenstärksten Medien, ist keine serbische Spezialität. Der Balkan hat dieses Stück mit wechselnder Besetzung gesehen. Offen bleibt, ob das Ende diesmal ein anderes sein wird - und wie lange ein Kardiologe sich aus dem politischen Schlamm heraushalten kann, in den man ihn zieht.