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Shakira über Wunden, die nicht verschwinden: Ein Psychologieprofessor erklärt, warum man Trauer und Freude gleichzeitig fühlen kann

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Shakira über Wunden, die nicht verschwinden: Ein Psychologieprofessor erklärt, warum man Trauer und Freude gleichzeitig fühlen kann

Shakira sprach kürzlich in einem Interview darüber, wie sie nach der schweren Zeit hinter ihr wieder aufgestanden ist - und darüber, dass das Glück nicht warten muss, bis die Wunden ganz verheilt sind. Klingt nach einem Satz für ein Poster. Um zu sehen, ob mehr dahintersteckt, analysierte Alfredo Rodríguez Muñoz, Psychologieprofessor an der Universität Complutense in Madrid, ihre Worte.

Trauer und Freude schließen sich nicht aus. Als Erstes betont der Professor, dass ein Mensch zugleich Trauer über einen Verlust und Freude oder Interesse an anderen Dingen im Leben empfinden kann. Ein Gefühl löscht das andere nicht aus. Wer heute lacht, dem hat es gestern nicht weniger wehgetan.

Es muss nicht alles gelöst sein, um wieder zu leben. In der Trauer wechseln Menschen meist zwischen zwei Modi: der Auseinandersetzung mit dem Verlust und der Hinwendung zum Alltag. Die Lust am Leben kehrt meistens zurück, während man langsam zu seinen Pflichten und Aktivitäten zurückfindet - nicht erst, wenn der Schmerz ganz verschwunden ist.

Akzeptanz ist keine Kapitulation. Akzeptieren heißt, anzuerkennen, was man fühlt, ohne jede Möglichkeit der Veränderung aufzugeben. Laut Rodríguez Muñoz erleichtert gerade die Akzeptanz, sich Unterstützung zu suchen, für sich selbst zu sorgen und sich von dem zu entfernen, was einem schadet.

Wachstum nach einem Trauma ist eine Möglichkeit, keine Pflicht. Manche Menschen erleben nach einer schweren Erfahrung positive Veränderungen - Psychologen nennen das posttraumatisches Wachstum. Der Professor warnt aber, dass niemand an seinem Schmerz „wachsen“ muss. Die Industrie der Motivationssprüche vergisst das gern.

Schuldgefühle beim Genießen. Wer sich schuldig fühlt, weil es ihm wieder gut geht, sollte das anerkennen und sich fragen: Was glaube ich zu verraten? Genuss ist kein Beweis dafür, dass man vergessen hat.

Die letzte Lehre ist vielleicht die schwerste: Glück ohne Druck. Sich keine Frist setzen, bis wann man wieder gut drauf sein muss, sondern sich erlauben zu genießen, wenn man kann. Wie viele von uns sind mit „Wein nicht, das geht vorbei“ aufgewachsen - und haben nie gelernt, dass es auch vorbeigehen kann, während man weint?