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Zweimal stoppte sie die Arbeit wegen Geld: Sybilla über eine Industrie, die verlangt, dass niemand unersetzlich ist

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Zweimal stoppte sie die Arbeit wegen Geld: Sybilla über eine Industrie, die verlangt, dass niemand unersetzlich ist

Wenn man ihr sagt, sie sei die wichtigste spanische Designerin nach Balenciaga, antwortet Sybilla Sorondo mit einem Satz, der sie ganz beschreibt: „Das ist ein großes Kompliment und wahrscheinlich zu groß für mich.” Der erste Impuls ist, das für falsche Bescheidenheit zu halten. Nach ein paar Minuten wird klar, dass das Problem ein anderes ist - sie kann über ihre Arbeit einfach nicht in der Einzahl sprechen. Statt „ich” sagt sie ständig „wir”.

Trägerin des Nationalen Modepreises von 2015, zeigt Sybilla jetzt eine Ausstellung in der Galerie „Plaza del Gato” in Madrid, geöffnet bis 19. September 2026. Es ist keine Kleiderausstellung, sondern eine Fotoausstellung - und das ist eine bewusste Entscheidung, denn viele ihrer Stücke wurden zu ihrer Zeit nie fotografiert und sind schlicht verschwunden. Was überlebt hat, überlebte durch Bilder. Kuratorin ist Agustina Covián, ihre, wie sie sagt, Schwester im Geiste, die Abstand nehmen musste, um ein Werk zusammenzufassen, das die Urheberin selbst nicht von außen sehen kann.

Sybilla war das Gesicht des kreativen Gärens von Madrid in den Achtzigern. Ihre ersten Kreationen fotografierten Miguel Oriola und Pepe Lamarca in Schwarzweiß, wo die Models wie Wesen in Bewegung aussahen. Gegen Ende der Achtziger, in Zusammenarbeit mit Juan Gatti und Javier Vallhonrat, änderte sich ihre Ästhetik - mehr Fantasie, mehr Farbe, neue Formen für den weiblichen Körper, wie Spanien sie bis dahin nicht gesehen hatte. Vallhonrat sagt es von seiner Seite: Er arbeitete mit John Galliano und Christian Lacroix und schuf einprägsame Bilder, doch jene mit Sybilla hätten den stärksten Charakter der Einzigartigkeit.

„Ich bin ein Produkt einer Epoche dieses Landes”, sagt die Designerin. Ein bescheidener Satz, der tatsächlich eine präzise Analyse ist - ihr Erfolg in Italien und Japan war keine individuelle Leistung, sondern der Auftritt einer ganzen Generation, die gleichzeitig erwachte.

Der interessanteste Teil des Interviews handelt nicht von der Vergangenheit. Sybilla musste die Arbeit zweimal wegen finanzieller Probleme einstellen, und genau deshalb hat ihre Diagnose der heutigen Modeindustrie keine Spur Nostalgie: „Es bleiben nicht viele Marken, bei denen der Designer Eigentümer ist und wichtige Entscheidungen treffen kann. Verlangt wird, dass niemand jemals unersetzlich ist, und das lässt Marken oft ihre Persönlichkeit verlieren.” Lesen Sie diesen Satz noch einmal und ersetzen Sie das Wort „Marke” durch irgendeine Branche, die Sie kennen.

Es gibt auch eine Nachricht, die ihr größere Freude bereitet hat als das Einkleiden von Schauspielerinnen und Sängerinnen: dass Jocomomola, ihre jüngere Linie aus den Neunzigern, heute auf Second-Hand-Apps weiterverkauft wird. „Mir wird klar, dass junge Leute entgegen der landläufigen Meinung einen guten Schnitt schätzen, sich für Stoffe und Farben begeistern, Handwerk und alles außerhalb des Gewöhnlichen würdigen. Es gibt Modekultur und Neugier.” Ein Stück aus den Neunzigern wird also wieder bezahlt - nicht wegen Marketing, sondern weil es Bestand hatte.

Zur künstlichen Intelligenz hat sie eine Haltung, die für jemanden ihrer Generation unerwartet präzise ist: Modelle des maschinellen Lernens entwickeln sich nur aus Gegenständen und Ideen, die bereits existieren. Wenn wir etwas wirklich Neues machen wollen, sagt sie, müssen wir üben, „Menschen zu sein” - hinauszugehen und neue Impulse zu suchen, jene, die nur das wirkliche Leben und der Blick des anderen geben.

Die Galerie, die sie mit dem Architekten Andrés Serra mitbegründet hat, existiert, um Künstlern Sichtbarkeit zu geben, die nicht die Anerkennung bekamen, die sie verdienen. Es ist schwer zu übersehen, dass das nun auch für sie selbst gilt.