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Eine Psychologin über gepflegte Nägel: Es geht nicht um die Nägel, sondern um eine halbe Stunde, die man niemandem schuldet

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Eine Psychologin über gepflegte Nägel: Es geht nicht um die Nägel, sondern um eine halbe Stunde, die man niemandem schuldet

Gepflegte Nägel werden seit Jahren als Eitelkeit erklärt oder als Kleinigkeit, für die man Geld ausgibt. Die Psychologin Ana Galán, Spezialistin für Trauma und Emotionsregulation, dreht die Frage um: nicht was die Maniküre über einen Menschen sagt, sondern was sie ihm gibt.

Ihre erste Bedingung lautet, dass es die eine Bedeutung nicht gibt. „Beständig gepflegte Nägel können je nach Persönlichkeit sehr Unterschiedliches bedeuten. Für die einen ist es schlicht Ästhetik oder Hygiene, für andere eine Art, die eigene Identität auszudrücken.” Dieselbe Gewohnheit misst also bei zwei Frauen nicht dasselbe - genau das Gegenteil dessen, was jede psychologische Analyse mit der Überschrift „Was deine Nägel über dich sagen” behauptet.

Der Mechanismus, der tatsächlich wirkt

Was Galán als real benennt, ist die Wirkung des Rituals selbst. „Wiederholbare und angenehme Rituale erzeugen ein Gefühl von Pause, Ordnung und Wohlbefinden, das den Stress kurzfristig senken kann.” Das Schlüsselwort ist kurzfristig - sie behauptet nicht, die Maniküre löse irgendetwas, sondern dass sie eine Unterbrechung schafft.

Der zweite Teil ist noch konkreter. „Zeit, die ausschließlich einem selbst gewidmet ist, fördert das Abschalten von alltäglichen Sorgen und kann das Gefühl stärken, dass man es verdient, für sich zu sorgen.” Das handelt nicht von Nägeln. Es handelt von einer halben Stunde, in der niemand etwas verlangt und das Telefon nicht in der Hand liegt - eine Sache, die heute schwerer zu organisieren ist als die Prozedur selbst.

Es gibt auch eine andere Seite, die man ohne Dramatisierung erwähnen sollte: Dasselbe Ritual kann zur Belastung werden. Wenn der Zustand der Nägel zur Bedingung wird, um das Haus zu verlassen, ist aus der Pause eine weitere Checkliste geworden. Der Unterschied ist von außen nicht sichtbar - er zeigt sich daran, was geschieht, wenn keine Zeit zum Hingehen bleibt.

Es geht also nicht um die Nägel. Es geht darum, ob es eine halbe Stunde gibt, die nur einem selbst gehört und für die man niemandem Rechenschaft schuldet. Erscheinen diese dreißig Minuten nur dann, wenn es eine Rechtfertigung in Form eines Termins gibt, sagt das mehr als jede Farbe.