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27. April: Neun Jahre später - weder Amnestie noch Amnesie

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Heute ist der 27. April. Vor neun Jahren stürmten mehrere hundert Demonstranten mit Masken das mazedonische Sobranje - sie drangen mit Fäusten und einem Ziel ein: die Wahl von Talat Džaferi zum Parlamentspräsidenten zu verhindern. Das Ergebnis: über 100 Verletzte, darunter der damalige SDSM-Vorsitzende Zoran Zaev. Dies ist nicht nur eine historische Tatsache. Es ist ein konstitutiver Moment der zeitgenössischen mazedonischen Demokratie.

Das Ereignis war der Höhepunkt einer politischen Krise, die 2015 begann - die "Bomben"-Abhöraffäre, Gruevski. Politiker ohne parlamentarische Mehrheit verlagerten den Kampf auf die Straße. Ihre Anhänger betraten dieses Gebäude mit dem Ziel, den politischen Prozess zu töten. Und um Haaresbreite - es gelang ihnen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Heute verlangen einige der Verurteilten immer noch einen Wiederaufnahmeprozess. Das Amnestiegesetz von 2018 befreite einige von ihnen - und entfachte eine neue Debatte über "Versöhnung versus Gerechtigkeit." Racin schreibt: "Weder Amnestie noch Amnesie." Treffend. Ohne vollständige Rechenschaft riskiert Mazedonien, dieselben Fehler zu wiederholen - in anderen Verpackungen.

Der 27. April ist nicht nur "ein Tag." Er ist ein Spiegel. Und die Frage, die wir stellen müssen, ist nicht nur "Hat jemand Konsequenzen gezogen?" - sondern "Haben wir verstanden, warum es passiert ist?"