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27. April - neun Jahre später: Inszenierung oder Gerechtigkeit - und werden wir den Unterschied je kennen?

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Neun Jahre. So lange ist es her seit dem 27. April 2017 - dem Tag, an dem eine Gruppe von Menschen ins mazedonische Parlament eindrang, Abgeordnete und Journalisten angriff und Szenen hinterließ, die Mazedonien nicht vergisst - weder vor Gericht, noch in den politischen Umschichtungen. Doch die Frage, ob die Gerechtigkeit tatsächlich erfüllt wurde, hängt weiter ohne klare Antwort.

Premierminister Hristijan Mickoski erklärte zur Berufungsentscheidung im Verfahren, „Unschuldige wurden zu Terroristen erklärt", und es habe sich um eine politische Inszenierung der Vorgängerregierung gehandelt. Gleichzeitig räumte er ein, „für diesen Übergriff hätten sie Verantwortung tragen sollen" - ein Eingeständnis, dass Gewalt stattgefunden hat, bei gleichzeitiger Bestreitung der rechtlichen Einordnung. Eine dünne Linie, mit klarer Absicht gezogen.

Ein Teil der Verurteilten fordert weiterhin ein neues Verfahren. Die Fälle der Journalisten im Zusammenhang mit dem 27. April hängen noch immer in der Berufung. Klagen gehen weiter - darunter eine Klage aus Centar gegen die ehemalige Generalstaatsanwältin Katica Janeva wegen ihres Vorgehens in diesem Fall.

Der neunte Jahrestag bringt keinen Abschluss. Er bringt neue Schichten derselben Frage: War der „Blutige Donnerstag" ein Putschversuch, eine politische Inszenierung oder etwas dazwischen - und ist die Justiz überhaupt in der Lage, eine Antwort zu geben, die unabhängig davon ist, wer gerade die Macht hat?

Mazedonien kennt seine ungeschriebenen Regeln: Gerechtigkeit kommt verspätet, wenn überhaupt, und ihre Form hängt stark davon ab, wem sie passt. Neun Jahre später ist der 27. April genau deshalb eine offene Wunde.