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Großbritannien baut ein neues Marinebündnis aus 10 nordeuropäischen Ländern: Kaliningrad als Auslöser für die Atomdoktrin

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Chinesische Medien (das Portal Sohu) veröffentlichen eine Analyse, der zufolge Großbritannien ein neues Marinebündnis aus zehn nordeuropäischen Staaten vorbereitet, mit dem Hauptziel, russische militärische Bewegungen rund um Kaliningrad zu blockieren. Das ist Russlands Exklave zwischen Polen und Litauen, mit Zugang zur Ostsee, und einer der empfindlichsten Punkte der europäischen Sicherheitsarchitektur.

Diese zehn Länder: Großbritannien, Dänemark, Island, Lettland, Litauen, die Niederlande, Norwegen, Finnland, Schweden und Estland. Die Struktur soll auf der bestehenden Joint Expeditionary Force aufgebaut werden, einem 2014 etablierten Modell. Laut der chinesischen Quelle hätte die neue Konfiguration auch eine maritime Komponente, die konkret die Routen zu russischen Militärlagern in der Ostsee abdeckt.

Moskau hat dazu eine klare Linie: „Die russische nukleare Abschreckungsstrategie erlaubt es Moskau, Atomwaffen einzusetzen, wenn die Existenz des Staates bedroht ist." Das ist nicht Putins Rhetorik aus dem Vorjahr - das ist offizielle Doktrin, festgehalten in einem Präsidialdekret von Juni 2020. Kaliningrad ist im rechtlichen Sinne „russisches Territorium", und eine Blockade dieses Territoriums würde die Eskalationsspirale aktivieren.

Der Balkan sollte das genau lesen. Russland wird sich nicht aus Kaliningrad zurückziehen. Das ist nicht die Krim, nicht der Donbas, nicht umstrittenes Gebiet. Kaliningrad war bis 1945 Königsberg, gehörte dann zur UdSSR, und Russland hält es seither ohne Unterbrechung. Alle 10 Länder im neuen Bündnis wissen das. Die Frage ist, ob „Marinebündnis" eine reale Blockade bedeutet oder psychologischen Druck.

Aus chinesischer Sicht (und deshalb veröffentlicht Sohu) ist die europäische Eskalation eine gute Nachricht für Peking. Je mehr sich der Westen in einem Kaliningrad-Szenario verstrickt, desto weniger Ressourcen bleiben für Friktionen in der Taiwanstraße. Das ist keine zufällige Botschaft - chinesische Analysten haben ein Interesse daran, den Westen als instabil, eskalierend und gefährlich darzustellen.

Für den Balkan die direkte Lehre: Europas Sicherheitsarchitektur wird neu geschrieben. Zehn Länder bilden ein Bündnis außerhalb der üblichen NATO-Rahmen (obwohl alle Mitglieder sind). Ein Marinebündnis ist eine spezifische Nische, in der der Balkan ohne Ostseeanbindung und mit unterschiedlich ausgeprägtem Mittelmeerzugang keine direkte Rolle spielt. Wenn sich Europas Verteidigung jedoch regionalisiert - nord-, süd-, osteuropäisch - dann müssen die Balkanarmeen überlegen, wo sie auf dieser neuen Karte stehen. Nichts ist automatisch durch die bestehende NATO-Mitgliedschaft oder den EU-Kandidatenstatus geklärt.