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Giorgia Meloni reagiert auf das Deepfake-Foto: Italien als erstes EU-Land mit einem Gesetz, der Balkan ohne Antwort

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Ein KI-generiertes Bild der italienischen Premierministerin Giorgia Meloni in Unterwäsche ging in der vergangenen Woche viral. Meloni reagierte auf Facebook mit Humor - aber auch mit einer Warnung, die Aufmerksamkeit verdient: „Das Deepfake ist ein gefährliches Werkzeug, weil es täuschen, manipulieren und jeden gezielt angreifen kann. Ich kann mich verteidigen. Viele andere können das nicht."

Das ist ein gewichtiger Satz. Meloni steht an der Spitze der italienischen Politik - sie hat Anwälte, sie hat PR-Teams, sie hat mediales Kapital und Kontakte. Doch was passiert, wenn dieselbe KI-Anwendung gegen eine gewöhnliche Frau, eine Jugendliche oder eine stille Lehrerin in einer Kleinstadt eingesetzt wird? Italien hat im September 2025 als erstes EU-Land ein umfassendes Gesetz zur Regulierung von künstlicher Intelligenz verabschiedet. Das Gesetz führt Haftstrafen für jene ein, die KI nutzen, um Schaden anzurichten, einschließlich der Erstellung von Deepfake-Bildern.

Anlass für das italienische Gesetz war ein Skandal aus dem Vorjahr - eine Porno-Plattform veröffentlichte manipulierte Bilder bekannter italienischer Frauen, darunter Meloni und Oppositionsführerin Elly Schlein, mit vulgären, sexistischen Untertiteln. Es war der seltene Moment, in dem das italienische Parlament eine gemeinsame Sprache fand - Melonis Rechte und Schleins Linke stimmten zusammen. Solche Konfigurationen kommen selten vor.

Auf dem Balkan gibt es bisher überhaupt keine Gesetzgebung in diesem Bereich. Nordmazedonien, Albanien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro - kein einziges dieser Länder hat ein Gesetz, das Deepfake-Bilder konkret regelt. Inzwischen tauchen in den Schulen unserer Region bereits „virtuelle" Nacktbilder von Jugendlichen auf und verschieben deren gesamte soziale Realität.

Melonis Warnung ist gleichzeitig praktisch und entlarvend. In einem Land, in dem die Premierministerin reagieren kann, passieren solche Dinge. Was geschieht erst in Ländern, in denen eine Frau in ähnlicher Lage weder Macht noch Medienraum hat? Der Balkan sollte das italienische Gesetz nicht als „europäischen Standard für irgendwann" lesen, sondern als verspätete Reaktion auf ein Problem, das in unseren Ländern bereits ohne rechtliche Antwort wirkt.