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„Hondius": Drei Tote, Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff, und die erste Lektion, dass die Tourismusbranche auf Hoffnung läuft

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Das niederländische Kreuzfahrtschiff „Hondius" mit rund 150 Passagieren und Besatzungsmitgliedern aus 88 Ländern hat endlich Anlegegenehmigung erhalten - aber nicht auf den Kanarischen Inseln, wie erwartet, sondern in Spanien, nach Koordination mit der WHO. Drei Passagiere sind bereits an Hantavirus gestorben. Ein Arzt an Bord ist in kritischem Zustand und wartet auf eine Luftevakuierung.

Die Schweiz hat inzwischen einen eigenen Hantavirus-Fall bestätigt. Damit hat eine Krankheit, die bis vor Kurzem eine „Seltenheit" war, nun ihre eigene globale Tagesordnung.

Der Regierungschef der Kanarischen Inseln war deutlich: Sie wollen das Schiff nicht. Eines ist es, ein Schiff in Seenot aufzunehmen. Etwas anderes ist es, einen Erreger aufzunehmen, von dem die WHO vermutet, dass er von Mensch zu Mensch übertragen werden kann - der erste solche Fall in der Geschichte des Hantavirus.

Kap Verde, wo das Schiff derzeit ankert, hat dafür keine medizinische Kapazität. Spanien akzeptierte die Last - „nach internationalen Gesundheitsprotokollen und humanitären Pflichten", wie es die Behörden formulierten. Übersetzt heißt das: Jemand muss es übernehmen.

Und während Europa fragt, wohin mit dem Kreuzfahrtschiff, ist die Frage für uns auf dem Balkan eine andere. Wie viele unserer Bürger sind diesen Sommer auf Kreuzfahrtschiffen? Wie viele Familien sparen zwei Jahre lang, um ein Rentnerpaar auf einen „Sommerurlaub" mit einem dieser „billigen" Atlantikpakete zu schicken? Mit 147 Passagieren aus 88 Ländern an Bord der „Hondius" - durchaus möglich, dass jemand aus der Region dabei ist. Ein montenegrinischer Bürger ist bereits bestätigt.

Die WHO arbeitete bislang mit der Annahme, dass Hantavirus nicht zwischen Menschen übertragen wird, sondern nur von Nagern. Diese Annahmen werden jetzt revidiert - auf einem Schiff im Atlantik. Das nennt man: Lernen in Echtzeit.

Und während wir lernen, fragen wir - hat die Tourismusbranche Protokolle für solche Fälle? Wer spart das Geld für Schiffsquarantäne? Wer trägt die Verantwortung für drei Tote, wenn längst bekannt ist, dass Kreuzfahrtschiffe Brutkästen für Infektionen sind - Covid, Norovirus, Legionellen, und jetzt Hantavirus?

Die Lehre aus „Hondius" handelt nicht vom Hantavirus. Sie handelt davon, wie die globale Tourismusbranche immer noch nach dem Prinzip „wir hofften, es würde nicht passieren" funktioniert.