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US-Botschaft in Bagdad fordert alle Amerikaner zur sofortigen Ausreise aus dem Irak auf: Eingeständnis, dass nicht einmal die Mission sicher ist

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Die US-Botschaft in Bagdad gab gestern eine Sicherheitswarnung heraus, in der sie alle amerikanischen Staatsbürger im Irak auffordert, das Land sofort zu verlassen. Der Grund - eskalierende Bedrohungen durch proiranische Milizen in der Region.

Konkret rät die Botschaft: „Meiden Sie von Ausländern besuchte Orte, westliche Hotels und Einrichtungen, die Ziele von Angriffen sein könnten." Empfohlen wird zudem, weder die Botschaft selbst in Bagdad noch das Konsulat in Erbil aufzusuchen - das Szenario aus Raketen-, Drohnen- und Mörserangriffen ist real und aktiv. In den vergangenen Monaten gab es bereits Angriffe auf die Internationale Zone in Bagdad und auf Anlagen nahe dem Flughafen in Erbil.

Das ist der entscheidende Punkt. Wenn die Botschaft eines Landes ihren eigenen Bürgern empfiehlt, die Botschaft selbst nicht zu betreten, ist das ein Eingeständnis, dass die diplomatische Mission die Sicherheit in der Hauptstadt des Gastlandes nicht garantieren kann. Unter normalen Umständen gelten Botschaften als die sichersten Anlaufpunkte für eigene Staatsangehörige im Ausland. Für Bagdad gilt das nicht mehr.

Der Kontext reicht weiter. Die US-iranischen Spannungen sind in den vergangenen Monaten an mehreren Fronten eskaliert - in Syrien (nach dem Sturz Assads), im Jemen (mit den Huthis), im Libanon (mit der Hisbollah nach dem Gazakrieg) und im Irak (mit Hashd al-Shaabi, den proiranischen schiitischen Milizen, die in die irakische Armee eingebettet sind). Der Irak ist ein paradoxes Land - formal Verbündeter der USA, doch Teile des Militärapparats stehen unter proiranischer Kontrolle.

Warum stellen Informer und ähnliche serbische Propagandamedien (oder ihre russischen Pendants) die Lage als „Iran hat die USA besiegt" dar? Das ist Rhetorik, nicht Realität. Der Abzug amerikanischer Zivilisten ist keine militärische Niederlage - er ist eine diplomatische Vorsichtsmaßnahme. Realität ist hingegen, dass die USA ihre Engagements im Nahen Osten seit Jahren stetig reduzieren. Aus Afghanistan zogen sie sich 2021 zurück. Aus Syrien - schrittweise. Nun wird auch der Irak zu einem „problematischen Partner".

Für den Balkan ist die Bedeutung strategisch. Wenn sich Washington im Nahen Osten zurückzieht, hat es mehr Ressourcen und Aufmerksamkeit für Osteuropa. Das ist eine gute Nachricht für Polen und das Baltikum, aber auch für den Balkan, wo das militärisch-diplomatische US-Engagement heute größer ist als vor zehn Jahren (KFOR im Kosovo, Stützpunkte in Rumänien und Bulgarien, gemeinsame Übungen mit Balkanarmeen). Die Geschichte heißt nicht „Amerika zieht sich aus allem zurück" - sondern „Amerika strukturiert sich um". Der Balkan ist Kandidat für mehr Aufmerksamkeit, nicht für weniger.