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Königin Sonja ging um sieben Uhr morgens allein durch die Schlossgärten: Oslo verabschiedete Harald V. mit einem Begräbnis, wie es die Stadt lange nicht sah

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Königin Sonja ging um sieben Uhr morgens allein durch die Schlossgärten: Oslo verabschiedete Harald V. mit einem Begräbnis, wie es die Stadt lange nicht sah

Oslo stand heute still. Der Flughafen strich Flüge, um Platz für die königlichen Maschinen zu schaffen, Polizei marschierte über die Hauptboulevards, und in der Kathedrale saßen Monarchen aus halb Europa. Harald V., den die Norweger „Großvater der Nation“ nannten, wurde mit einem Staatsbegräbnis verabschiedet, wie es die Stadt lange nicht erlebt hat.

Er starb am 28. August im Alter von 89 Jahren, nach einigen Tagen im Krankenhaus. Fünfunddreißig Jahre auf dem Thron. Die Zahl ist wichtig, weil sie zeigt, wie lange ein Monarch relevant bleiben kann, ohne einen einzigen Skandal, der eine Titelseite füllt - etwas, das andere europäische Höfe im selben Zeitraum nicht zustande brachten.

Die Gästeliste ist für sich genommen eine politische Landkarte. Felipe VI. und Letizia kamen aus Madrid, gemeinsam mit Königin Sofía. Carl XVI. Gustaf und Silvia aus Schweden. Victoria, die schwedische Kronprinzessin, Haralds Patenkind. Aus Griechenland kamen Anne-Marie, Prinzessin Alexia mit ihrem Mann und Prinz Nikolaos. Aus Liechtenstein - Prinz Alois. Aus Jordanien reisten König Abdullah und Königin Rania an, die kurzfristig dazustieß.

Die Zeremonie begann um ein Uhr nachmittags in der Osloer Kathedrale. Drei Glockenschläge zu Beginn, drei am Ende. Eine Schweigeminute für das ganze Land. Es sprachen die Parlamentspräsidentin und der Ministerpräsident, danach folgte ein interreligiöses Entzünden von Kerzen - das Detail, das am meisten darüber sagt, welcher Staat Norwegen heute sein will.

Den Sarg begleiteten der neue König Haakon VIII., Königin Mette-Marit und Prinzessin Ingrid Alexandra. Anschließend wurde er in die Festung Akershus überführt, in die private Kapelle, wo sich der Staat zurückzog und nur die Familie blieb. In ganz Norwegen läuteten eine Stunde lang die Glocken.

Königin Sonja, Witwe nach achtundfünfzig Ehejahren, wurde um sieben Uhr morgens allein in den Schlossgärten gesehen, Stunden bevor all das begann. Das ist die Szene, die geblieben ist - nicht der Zug, nicht die Uniformen, sondern eine Frau, die früh hinausgeht, um allein zu sein, bevor sie vor Kameras Königin sein muss.

Die Schlossflagge wehte auf halbmast und sollte erst bei der Beisetzung wieder gehisst werden. Ein kleines Protokolldetail, aber genau solche Details halten eine Institution zusammen - jeder weiß, was es bedeutet, und niemand muss es erklären.

Den Empfang am Vorabend im Grand Hotel richteten die neuen Herrscher aus. Das ist der Moment, in dem eine Monarchie tatsächlich den Besitzer wechselt: nicht bei der Zeremonie vor den Kameras, sondern beim Abendessen am Tag zuvor, wo man sieht, wer nah bei wem sitzt.