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170.000 Seiten über die Luft nach dem 11. September: Die Stadt kalkulierte 35.000 mögliche Klagen, während sie öffentlich Sicherheit versprach

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170.000 Seiten über die Luft nach dem 11. September: Die Stadt kalkulierte 35.000 mögliche Klagen, während sie öffentlich Sicherheit versprach

New York hat über 170.000 Seiten bislang unter Verschluss gehaltener Dokumente zur Luftqualität nach den Anschlägen vom 11. September 2001 veröffentlicht. Ihr Inhalt bestätigt, was Überlebende seit Jahrzehnten sagen: Die Stadtverwaltung wusste, dass die Belastung an Ground Zero gefährlich war, während sie den Menschen öffentlich versicherte, die Luft sei zum Atmen sicher.

Bürgermeister Zohran Mamdani stellte die Dokumente auf einer Pressekonferenz vor. „Während die Jahre vergehen und die Zahl der Opfer wächst, zahlen wir den Preis des 11. September jedes Mal, wenn wir einen weiteren New Yorker zu früh verlieren“, sagte er.

Die Zahlen hinter der Katastrophe

Bei den Anschlägen selbst starben fast 3.000 Menschen. Tausende weitere - darunter Rettungskräfte und Arbeiter, die das Gelände räumten - starben später an Krebs und Krankheiten infolge toxischer Belastung. Nach Angaben des 9/11 Memorial and Museum sind mindestens 140.000 Menschen aus allen 50 Bundesstaaten im Gesundheitsprogramm für das World Trade Center erfasst; bei 49.000 von ihnen wurde eine mit den Anschlägen verbundene Krebserkrankung diagnostiziert.

Die Dokumente kamen nicht aus gutem Willen ans Licht. Die Organisation 9/11 Health Watch klagte, um sie herauszuholen. Darunter sind interne Vermerke aus Oktober und November 2001, in denen städtische Beamte vor erhöhten Toxinwerten warnten, darunter Asbest und gefährliche Chemikalien.

Wer was wusste und wann er es sagte

Die frühere Chefin der Umweltschutzbehörde, Christine Todd Whitman, hält daran fest, sie habe die Aussage, die Luft sei „zum Atmen sicher“, auf Grundlage der damals verfügbaren wissenschaftlichen Analysen getroffen. Doch ein Schreiben des Kongressabgeordneten Jerry Nadler an das Büro des damaligen Bürgermeisters Michael Bloomberg aus dem Jahr 2002 hält fest, die Behörde habe „ihre Verantwortung vernachlässigt“ für die Überwachung der Innenraumluft rund um Ground Zero.

Der härteste Beleg dafür, dass jemand Risiko und nicht Sicherheit kalkulierte, ist ein juristischer Vermerk an den stellvertretenden Bürgermeister Robert Harding: Darin wurde geschätzt, die Stadt sei möglichen Klagen von rund 35.000 Menschen ausgesetzt. Das ist nicht die Zahl einer Institution, die an saubere Luft glaubt. Das ist die Zahl einer Institution, die ausrechnet, was es kostet, wenn es herauskommt.

Fünfundzwanzig Jahre und eine Klage brauchte es, um zu veröffentlichen, was schon in den ersten Wochen notiert worden war. Wer verantwortet das jetzt, da die Dokumente öffentlich sind und die Hälfte der Betroffenen nicht mehr lebt?