Skip to content

Eine Drohne mit Sprengstoff traf ein ukrainisches Flugzeug in Deutschland - und vier Stunden lang bemerkte es niemand

1 Min. Lesezeit
Teilen
Eine Drohne mit Sprengstoff traf ein ukrainisches Flugzeug in Deutschland - und vier Stunden lang bemerkte es niemand

In der Nacht zum 5. August rammte am Flughafen Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff beladene Drohne ein Frachtflugzeug der ukrainischen Gesellschaft Antonov Airlines. Der deutschen Presse zufolge transportierte die Maschine für die Ukraine bestimmte Munition.

Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen den Berichten nach, dass die Drohne gegen 19:30 Uhr gezielt auf das ukrainische Flugzeug zuflog und dessen Tragfläche traf. Der Semtex-Sprengsatz zündete nicht - er prallte ab und fiel zu Boden, der Sprengstoff löste sich vermutlich beim Aufprall. Anderen Angaben zufolge traf die Drohne nahe dem Treibstofftank.

Vier Stunden bemerkte es niemand

Das ist der Teil der Geschichte, den jeder lesen sollte, der europäische Flughäfen für eine Festung hält. Die Sicherheitssysteme entdeckten die Drohne überhaupt nicht. Den Sprengsatz auf dem Vorfeld fand - vier Stunden später - der Fahrer eines Flughafenwagens.

Hätte der Sprengstoff also gezündet, wäre niemand da gewesen, um das zu verhindern. Und wenn er irrtümlich nicht zündete, ist der einzige Grund für das Ausbleiben von Opfern, dass etwas nicht so funktionierte, wie es sich derjenige vorstellte, der die Drohne schickte.

Eine DNA-Spur, die zurückführt

Fünf Tage später isolierten Ermittler DNA-Spuren von der Drohne. Die Person ist noch nicht identifiziert, doch laut Veröffentlichungen gibt es in einer europäischen Datenbank einen Treffer, der nach Litauen weist. Dieselbe DNA stimme, so heißt es, mit einem Beweisstück aus einem Anschlag vom 20. Juli 2024 auf ein DHL-Logistikzentrum an demselben Flughafen überein, wo eine Paketbombe nur deshalb am Boden explodierte, weil das Frachtflugzeug Verspätung hatte.

Litauische Staatsanwälte sprachen zu den Anschlägen von 2024 bereits von Terrorismus und Sabotage im Auftrag einer fremden Macht und verwiesen auf den russischen Militärgeheimdienst sowie auf Operationen in Deutschland, Polen und Großbritannien.

Niemand will den Namen aussprechen

Die deutsche Bundesanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Kanzler Merz vermied es, Russland zu erwähnen. Der Innenminister sprach nur von möglicher „ausländischer Verwicklung". Der Kreml dementierte und nannte den Anschlag eine Provokation.

Und hier liegt das eigentlich Beunruhigende. Wenn es eine DNA-Spur gibt, wenn es eine Datenbank gibt, in der diese Spur schon einmal auftauchte, und wenn litauische Staatsanwälte die Macht hinter dem früheren Anschlag bereits benannt haben - was fehlt, damit es jemand laut ausspricht? Eine diplomatische Antwort ist das eine. Doch wenn ein Staat nicht benennen darf, startet jede nächste Drohne in ein etwas weniger riskantes Umfeld.

Der Balkan hört seit Jahrzehnten, Europa sei stabil und die Instabilität sei hier. Eine Drohne mit Sprengstoff auf einer deutschen Rollbahn, die vier Stunden unentdeckt liegt, korrigiert diese Landkarte.