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Litauen ließ NATO-Jäger aufsteigen und sperrte den Himmel über Vilnius - auf dem Radar war womöglich ein Vogelschwarm

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Litauen ließ NATO-Jäger aufsteigen und sperrte den Himmel über Vilnius - auf dem Radar war womöglich ein Vogelschwarm

Am Morgen des 3. Oktober ließ Litauen NATO-Kampfjets aufsteigen, gab eine Luftgefahrwarnung heraus und sperrte vorübergehend den kontrollierten Luftraum über Vilnius. Der Grund: Das Radar hatte ein nicht identifiziertes Objekt erfasst, das sich aus Richtung Belarus bewegte. Auf den Handys der Bewohner des Bezirks Vilnius und der Gegend um Ukmergė kam die Nachricht an, sie sollten bereit sein, Schutz zu suchen.

Der Leiter des litauischen Nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, sagte, die Parameter des Radarechos erinnerten an eine Drohne, das habe sich in dem Moment aber nicht bestätigen lassen. „Auf unseren Radaren wurde ein Objekt erfasst, das eine Gefahr darstellen könnte und sich der litauischen Grenze näherte. Eine Luftverteidigungsmission wurde aktiviert, und Jäger stiegen auf, um das Ziel zu identifizieren“, sagte er.

Die Jäger kamen, das Objekt war weg

Gegen 10:15 Uhr kreisten drei Flugzeuge auf dem Weg in die litauische Hauptstadt über Dzūkija, eine Maschine der polnischen LOT aus Warschau wurde nach Kaunas umgeleitet. Die NATO-Jäger flogen dorthin, wo das Radar das Objekt zuletzt gesehen hatte. Sie fanden nichts. Gegen 10:30 Uhr hob das Militär den Alarm auf und senkte die Warnstufe von „gelb“ auf „weiß“. „Die Jäger haben in diesem Gebiet kein Objekt erfasst“, teilte das litauische Militär mit; die Stelle, an der das Signal verschwand, sollte ein Hubschrauber der Luftwaffe absuchen. Der Flughafen Vilnius nahm danach den normalen Betrieb wieder auf.

Die Behörden schlossen auch die banalste Möglichkeit nicht aus: dass das Radar einen Vogelschwarm erfasst hatte. Vitkauskas sagte, solche Fälle habe es schon gegeben. Ein Wetterballon von Schmugglern galt wegen der Windrichtung als weniger wahrscheinlich. Bürger meldeten, sie sähen oder hörten etwas, das sich Richtung Jonava bewege, doch diese Informationen, betonte Vitkauskas, stammten nicht von den Radaren, sondern nur von Menschen vor Ort.

Warum niemand ein Risiko eingeht

Die Nervosität hat einen Grund. Weniger als drei Wochen zuvor, in der Nacht vom 14. auf den 15. September, flog tatsächlich eine Drohne aus Richtung Belarus in den litauischen Luftraum und wurde von italienischen Eurofightern im NATO-Einsatz mit einer Rakete abgeschossen. Die litauischen Behörden teilten später mit, das Fluggerät habe Sprengstoff getragen, und Präsident Gitanas Nausėda sagte, es habe sich um eine russische Drohne vom Typ „Gerbera“ gehandelt, die für einen Angriff auf die Ukraine bestimmt war und vom Kurs abkam.

So sieht der Alltag an der Ostflanke der NATO aus: Ein Punkt auf dem Radar reicht für Jäger in der Luft, einen gesperrten Flughafen und eine Schutzraum-Nachricht aufs Handy. Lieber Vögel als Sprengstoff. Aber wie oft kann eine Gesellschaft die Sirene hören, bevor die Menschen sie nicht mehr ernst nehmen?