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Zwei ukrainische Dienste schossen in Kiew aufeinander: Drei Verletzte, dann Verhandlungen über das Entladen der Waffen

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Zwei ukrainische Dienste schossen in Kiew aufeinander: Drei Verletzte, dann Verhandlungen über das Entladen der Waffen

In einem Land, das sich im dritten Jahr gegen eine Invasion verteidigt, geschah etwas, das kein Lagebericht vorsieht: Zwei ukrainische Dienste eröffneten das Feuer aufeinander. Keine russischen Saboteure, keine Diversanten - der Sicherheitsdienst der Ukraine und die militärische Aufklärungsverwaltung, auf einer Straße in Kiew, mit drei Verletzten.

Der Vorfall ereignete sich in der Juri-Schumskyj-Straße im Bezirk Dniprowskyj. Ukrainischen Medien zufolge wurden bei der Auseinandersetzung drei Angehörige der Militäraufklärung verletzt. Anlass war Stepan Kaplunow, stellvertretender Kommandeur des Russischen Freiwilligenkorps - einer Formation aus Russen, die auf ukrainischer Seite kämpfen -, dessen Verschwinden das ganze Geschehen auslöste.

Die beiden Dienste erzählen die Geschichte unterschiedlich, und genau da wird es interessant. Der Sicherheitsdienst teilte mit, seine Leute hätten dringende Ermittlungshandlungen im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Terrorplan des russischen FSB gegen einen in der Ukraine lebenden russischen Oppositionellen durchgeführt. „Um den bewaffneten Angriff zu stoppen und die Beteiligten der Operation zu sichern, setzten die Spezialeinheiten Waffen ein. Unter denen, die Widerstand leisteten, gibt es Verletzte. Die Angreifer wurden festgenommen“, hieß es aus dem Dienst.

Kaplunows Rechtsteam dreht das Bild um: Es behauptet, Angehörige beider Dienste seien an seinem Wohnort erschienen, und genau das habe eine bewaffnete Reaktion der Menschen um ihn herum ausgelöst. Mit anderen Worten - die eine Seite sagt, sie habe einen Angriff abgewehrt, die andere, sie sei selbst angegriffen worden.

Niemand erklärt, wie

Am Ort trafen auch Ermittler des Staatlichen Ermittlungsbüros und die Spezialeinheit „Alfa“ ein. Nach Verhandlungen einigten sich die beiden Dienste darauf, ihre Waffen zu entladen, damit die Ermittler arbeiten konnten. Das ist ein Detail, das man zweimal lesen sollte: In der Hauptstadt eines Landes im Krieg wurde eine Feuerpause zwischen zwei eigenen Diensten ausgehandelt.

Die ukrainischen Behörden haben bislang nicht öffentlich erklärt, wie eine gemeinsame Operation mit Feuerstößen zwischen Strukturen endete, die formal für denselben Staat arbeiten. Das Schweigen ist aus militärischer Sicht nachvollziehbar. Nachvollziehbar heißt nicht harmlos - jedes solche Ereignis ist ein Geschenk für die russische Propaganda, die es bereits als „Beginn eines Bürgerkriegs“ verkauft, was es offensichtlich nicht ist.

Rivalität zwischen Diensten, die formal für denselben Staat arbeiten, ist keine ukrainische Spezialität - das ist eine alte Geschichte überall dort, wo der Sicherheitsapparat auf mehrere Häuser mit überlappenden Befugnissen verteilt ist. Der Unterschied liegt darin, wo die Linie gezogen wird. In Kiew wurde sie an jenem Tag mit Waffen gezogen - und das ist es, was der Krieg in jeder Institution verändert, die er berührt.