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Zwei ukrainische Geheimdienste schossen in Kiew aufeinander: Selenskyj nannte es absolut beschämend

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Zwei ukrainische Geheimdienste schossen in Kiew aufeinander: Selenskyj nannte es absolut beschämend

In Kiew fielen Schüsse. Keine russischen. Zwei ukrainische Geheimdienste schossen aufeinander, drei Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer - einem wurde eine Arterie im Bein durchtrennt, er ist in kritischem Zustand. Das sind keine Nachrichten von der Front. Das ist eine interne Abrechnung, in der Hauptstadt, mitten im Krieg.

Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Lage „absolut beschämend“. Der Satz danach wiegt schwerer: „In der Ukraine wird nur auf die russischen Besatzer geschossen. Unser Staat wird jede andere Art von Schießerei niemals als etwas ansehen, das jemandem erlaubt war.“

Was geschah - je nachdem, wen man fragt

Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) teilte mit, er habe eine russische Terrorverschwörung gegen Mitglieder der russischen Opposition untersucht. Nach Quellen aus den ukrainischen Verteidigungskräften gegenüber dem Kyiv Independent war das Ziel der angeblichen Verschwörung Stepan Kaplunow, stellvertretender Kommandeur des Russischen Freiwilligenkorps - einer paramilitärischen Einheit, die auf Kiews Seite kämpft.

Das Korps untersteht dem Militärgeheimdienst HUR. Kaplunow war am 24. August bei den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag. Gestern teilte das Korps auf Telegram mit, „unbekannte Personen“ hätten ihn „aus dem Hof seines Hauses entführt“.

Die Staatsanwaltschaft erklärte anschließend, SBU-Angehörige seien von „einer der Einheiten der ukrainischen Streitkräfte“ angegriffen worden, während sie Ermittlungshandlungen durchführten. Präsidentenberater Dmytro Lytwyn sagte, an dem Vorfall seien sowohl SBU als auch HUR beteiligt gewesen, und Selenskyj habe die Chefs beider Dienste zur Rechenschaft gezogen.

Die andere Version

Der Kommandeur der HUR-Spezialeinheit „Tymur“ erzählt eine völlig andere Geschichte. In einem Video für Radio Freies Europa sagte er, Kaplunow sei „am helllichten Tag entführt“ worden - von SBU-Angehörigen - und ohne Anklage festgehalten worden. Nachdem eine rechtliche Einigung erzielt worden sei, habe der SBU begonnen, HUR-Angehörige festzunehmen, und das Feuer auf Unbewaffnete eröffnet.

Der Anwalt Taras Borowskyj behauptet, drei HUR-Angehörige seien verletzt worden. Er weist die Darstellung des SBU zurück, ein Attentat verhindert zu haben, und nennt sie einen Versuch, eine rechtswidrige Festnahme zu rechtfertigen. Kaplunow sei freigelassen worden, doch niemand wisse, wo er ist.

Was das bedeutet

Selenskyj unterzeichnete ein Dekret, mit dem er Oleh Chramow, Leiter der Abteilung für den Schutz von Staatsgeheimnissen im SBU, entließ. Staatsanwaltschaft und Staatliches Ermittlungsbüro sollen klären, was geschah. Kyrylo Budanow, Leiter des Präsidialbüros, forderte eine „gründliche und unparteiische Untersuchung“.

Zusammenstöße zwischen HUR und SBU sind selten. Im März 2022 wurde die Leiche des Bankers Denys Kirejew mit einer Schusswunde im Zentrum Kiews gefunden. Kirejew arbeitete für HUR und war angeblich an Erkenntnisse über russische Invasionspläne gelangt. Er nahm 2022 an den Friedensgesprächen teil und stand danach unter Verratsverdacht. 2023 erklärte das Präsidialbüro seinen Tod mit „schlechter Koordination der ukrainischen Dienste zu Kriegsbeginn“.

Dreieinhalb Jahre später bleibt die Koordination offenkundig ein Problem. Ein Staat, der sich gegen eine Invasion verteidigt, darf es sich nicht leisten, dass seine Dienste einander als Feind behandeln - und doch geschah es, und es geschah öffentlich.

Die Frage, die sich die westlichen Partner nun stellen müssen, lautet nicht, ob die Ukraine die Front hält. Sie lautet, wer in Kiew eigentlich wem befiehlt.