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Ukraine überspringt die Warteschlange für EU-Mitgliedschaft: Ungerechtigkeit für den Balkan oder historische Notwendigkeit?

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Der Europäische Rat gab grünes Licht für ein beschleunigtes Beitrittsverfahren für die Ukraine. EU-Präsident António Costa nannte es einen Schlüsseldurchbruch, Selenski nahm persönlich am Gipfel teil und lehnte symbolische Mitgliedschaft ab. Die Ukraine will einen echten Platz am Tisch, keine Beobachtereinladung.

Für den Westbalkan öffnet dies eine unbequeme Frage, die niemand offiziell laut aussprechen will: Gibt es einen Standard für die Ukraine und einen anderen für die Region, die seit Jahrzehnten wartet? Kritiker in Brüssel, Podgorica, Tirana und Skopje denken: ja. Das beschleunigte Beitrittverfahren für die Ukraine bedeutet, dass EU-Regeln flexibel sind, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Das konkrete Problem: Die Ukraine ist weit davon entfernt, die Kriterien zu erfüllen - Diplomaten selbst sagen, das Land sei unvorbereitet und korruptionsdurchsetzt. Beitritt ohne Reformen würde den gesamten Prozess entwerten, aber weitere Verzögerungen unter aktiver militärischer Aggression sind politisch ebenfalls unrealistisch.

Mazedonien, Albanien, Serbien, Bosnien - Länder, die seit Jahren buchstäblich das erfüllen, was die EU fordert - sehen heute, wie ein Land im aktiven Krieg die Warteschlange überspringt. Ist das eine historische Ungerechtigkeit oder eine historische Notwendigkeit? Europa hat noch keine ehrliche Antwort.