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Vučić sieht im russischen Diesel-Deal ein Alibi: Serbien ist nicht mehr das einzige Land ohne Russland-Sanktionen

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Vučić sieht im russischen Diesel-Deal ein Alibi: Serbien ist nicht mehr das einzige Land ohne Russland-Sanktionen

In Washington wird der Deal über russischen Diesel als Weg zu billigerem Treibstoff verkauft. In Belgrad liest Aleksandar Vučić ihn anders. Der Spitzenkandidat der Liste „Aleksandar Vučić - Vereintes Serbien“ erklärte in einer Live-Ansprache in den sozialen Medien, die Vereinbarung zwischen Donald Trump und Wladimir Putin verändere die Dinge in der Welt - strategisch. „Nicht wegen 300.000 Tonnen oder mehreren Millionen Tonnen Diesel, das sind Kleinigkeiten. Viel wichtiger ist, dass die Amerikaner damit die Kette der Sanktionen gegen die Russische Föderation durchbrochen haben“, sagte er.

In Moskau blieb die Aussage nicht unbemerkt. Russische Medien, darunter RBK und TASS, hoben besonders seine Einschätzung hervor, Washington sei als Erstes von der bisherigen Politik des Sanktionsdrucks auf Russland abgerückt. Laut RBK beschrieb Vučić Trump als pragmatischen Anführer, der die inneren Wirtschaftsprobleme der USA zu lösen versuche - vor allem die hohen Spritpreise.

Die Zahlen hinter dem Deal sind konkret. Am 9. Oktober, nach einem Telefonat zwischen Trump und Putin, erteilte das US-Finanzministerium die Generallizenz Nr. 135, die bis zum 7. April 2027 Transaktionen im Zusammenhang mit Verkauf, Transport und Import von russischem Diesel erlaubt, auch auf den US-Markt. Trump kündigte an, Russland werde zunächst über 300.000 Tonnen liefern, dann weitere 500.000 Tonnen im November und später noch eine Million Tonnen.

Zu Schätzungen, Moskau könne sechs bis sieben Milliarden Dollar verdienen, merkte Vučić an, Produktion und Lieferung verschlängen 60 bis 70 Prozent dieser Summe. Der politische Gewinn sei viel größer: Russland bekomme die Chance, die Einigkeit des Westens bei den Sanktionen zu untergraben und die Differenzen zwischen Washington und den europäischen Hauptstädten weiter zu vertiefen.

Dann kommt der Teil für das heimische Publikum. Laut Vučić steht Serbien mit seiner Entscheidung, keine Sanktionen gegen Russland zu verhängen, nicht mehr allein da, denn nun könne man nicht einmal von den USA sagen, dass sie die bisherigen Beschränkungen vollständig umsetzen. Zugleich warnte er, er erwarte noch stärkeren europäischen Druck auf Belgrad, sich den Sanktionen anzuschließen - obwohl Washington selbst beschlossen hat, einen Teil seiner Maßnahmen zu lockern.

Die Logik kennt jeder, der die Balkanpolitik verfolgt: Wenn die Großen die Regeln ändern, suchen die Kleinen darin die Bestätigung, schon immer recht gehabt zu haben. Belgrad balanciert seit Jahren zwischen Brüssel und Moskau. Verändert ein Diesel-Deal diese Gleichung wirklich - oder liefert er nur ein neues Argument für den Wahlkampf?