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Warenkorb 70.000, Durchschnittslohn 49.000: die Arithmetik, die beide Seiten nach Bedarf benutzen

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Warenkorb 70.000, Durchschnittslohn 49.000: die Arithmetik, die beide Seiten nach Bedarf benutzen

Die Opposition stellte die Rechnung in vier Zahlen auf. Der Warenkorb liegt bei rund 70.000 Denar. Der Mindestlohn bei rund 26.000 Denar. Der Durchschnittslohn bei rund 49.000 Denar. Ein junger Mensch ohne eigene Wohnung braucht rund 90.000 Denar im Monat allein für Grundausgaben.

Das ist eine Mitteilung der SDSM, und wie jede Parteimitteilung kam sie mit politischem Ballast - Vorwürfe gegen Ministerpräsident Hristijan Mickoski, Vergleiche mit Uhren und Regierungsflugzeugen, und die Botschaft, die Bürger würden bei Wahlen urteilen.

Die politische Rhetorik lässt sich beiseitelegen. Die Arithmetik nicht.

Wenn der Warenkorb 70.000 Denar kostet und der Durchschnittslohn 49.000 beträgt, dann deckt ein durchschnittlicher Arbeitnehmer den Grundbedarf nicht mit seinem gesamten Gehalt. Liegt der Mindestlohn bei 26.000, ist die Differenz kein Mangel an Haushaltsplanung - sie ist ein Loch, in dem ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt. Zwei Beschäftigte mit Durchschnittslohn kommen auf 98.000 Denar und decken den Warenkorb plus ein wenig gerade so.

„Es gibt keine bessere Statistik als das Portemonnaie und den Kühlschrank”, heißt es in der Mitteilung. Das ist eine Parteifloskel, doch in einem Punkt stimmt sie: Der mazedonische Bürger spürt die Wirtschaft über die Preise, nicht über die Wachstumsrate.

Die beiden Statistiken treffen sich nie

Auf der anderen Seite stehen die Botschaften vom wirtschaftlichen Fortschritt - hohe Wachstumsraten, gestiegene Löhne und Renten, verbesserte Kennzahlen. Auch diese Zahlen sind nicht erfunden. Das Problem ist, dass beide Statistiken über verschiedene Dinge sprechen und in der öffentlichen Debatte nie nebeneinandergestellt werden.

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und das Wachstum des Durchschnittslohns können real und zugleich unerheblich sein für einen Haushalt, der den Preis des Warenkorbs schneller spürt als den Anstieg seines Einkommens. Umgekehrt ist eine für eine Pressemitteilung angefertigte Parteirechnung kein Prüfbericht.

Was fehlt, ist ein dritter Standpunkt. Eine unabhängige, regelmäßige und öffentlich zugängliche Berechnung des Warenkorbs mit erläuterter Methodik, die keine der beiden Seiten nach Bedarf auswählen kann. Solange die fehlt, bekommen wir jeden Monat zwei gegensätzliche Wahrheiten über dasselbe Land - und der Bürger wird weiter jener glauben, die auf dem Kassenbon steht.