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Der Stress sinkt erst zwölf Stunden nach dem kalten Wasser, nicht sofort: Was 3.177 Probanden zeigten

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Der Stress sinkt erst zwölf Stunden nach dem kalten Wasser, nicht sofort: Was 3.177 Probanden zeigten

Sechzig Sekunden im Eiswasser am Morgen. Das ist das Ritual, mit dem Barcelona-Spieler Ferran Torres den Tag beginnt - und zu dem die Neurowissenschaft inzwischen mehr zu sagen hat, als der Fitnessindustrie lieb wäre.

„Ich stecke den ganzen Körper eine Minute ins kalte Wasser, weil das ein Weg ist, besser mit Stress umzugehen. Außerdem hilft es dir zu aktivieren und Energie zu bekommen”, erklärte er im Podcast Miobio. Nach dem Training taucht er die Beine acht bis zehn Minuten ein, und am Nachmittag beendet er die Sauna mit einer weiteren Minute kaltem Wasser. Während er drin ist, arbeitet er an der Atmung und an Visualisierung - der Kopf hat also eine Aufgabe, während der Körper unter Stress steht.

Die Neurowissenschaftlerin Nicola Vignola beschreibt kaltes Wasser als „einen der einfachsten Wege, sich etwas sehr, sehr Schwerem auszusetzen”. Der Mechanismus ist direkt: Registrieren die Hautrezeptoren einen abrupten Temperaturabfall, erreicht das Signal das Gehirn, das sympathische Nervensystem wird aktiviert und die Ausschüttung von Noradrenalin steigt - einem Stoff, der mit Aufmerksamkeit und Aktivierung zusammenhängt.

Ihr Hauptargument ist interessanter als das kalte Wasser selbst: „Betrachtet man die dopaminerge Aktivität, lautet die Grundregel: Es muss Anstrengung geben, damit es Belohnung gibt.” Anders gesagt: Die Zufriedenheit nach dem Aussteigen kommt nicht vom Wasser, sondern davon, etwas Unangenehmes absichtlich getan zu haben. Dieser Mechanismus funktioniert auch außerhalb der Wanne.

Was die Zahlen zeigen

Ein systematischer Review mit Metaanalyse in PLOS One umfasste elf Studien mit 3.177 gesunden Erwachsenen, die in Wasser von 15 Grad oder kälter eintauchten, zwischen dreißig Sekunden und zwei Stunden lang. Der Befund: eine deutliche Stressreduktion zwölf Stunden nach der Exposition. Nicht sofort. Und nicht nach 24 oder 48 Stunden. Einige Studien verzeichneten auch eine bessere Schlafqualität, doch die Autoren warnen selbst, dass die Evidenz noch begrenzt ist.

Vignola spricht auch über die sogenannten Kälteschockproteine, besonders RBM3, das wegen einer möglichen Rolle beim Erhalt und der Erneuerung neuronaler Verbindungen erforscht wird. Die Ergebnisse sind vielversprechend - bei Tieren. Beim Menschen ist die Datenlage dünn, und das verschweigt sie nicht.

Wo die Geschichte endet

Ein abruptes Eintauchen in sehr kaltes Wasser kann eine Kälteschockreaktion auslösen - unwillkürliches Einatmen und beschleunigte Atmung bis zur Hyperventilation. Kälte verändert auch den Blutfluss, weshalb Menschen mit Herzproblemen zuerst den Arzt fragen sollten. Empfohlen wird schrittweise Gewöhnung mit kurzen Expositionen und weniger extremen Temperaturen. Und eine Regel, über die nicht verhandelt wird: im offenen Wasser niemals allein.

Was man aus alldem behalten sollte, ist nicht, dass kaltes Wasser ein Wunder ist. Sondern dass die Belohnung aus der Anstrengung kommt - eine Lehre, die weder Wanne noch Eis braucht.