Skip to content

Trinkwasser in vier Dörfern bei Tetovo verboten: 400 Analysen jährlich für eine Stadt und 99 Dörfer

1 Min. Lesezeit
Teilen
Trinkwasser in vier Dörfern bei Tetovo verboten: 400 Analysen jährlich für eine Stadt und 99 Dörfer

Das Trinkwasser ist in vier Dörfern bei Tetovo verboten - Poroj, Dzepciste, Golema Recica und Mala Recica, auf dem Abschnitt vom Friedhof in Mala Recica bis Golema Recica. Analysen ergaben, dass das Wasser die Anforderungen an Trinkwasser nicht erfüllt. Das Verbot gilt, bis die zuständigen Institutionen etwas anderes sagen.

Die Mitteilung kommt vom kommunalen Betrieb „Sar“, der zugleich etwas für sich Wichtiges betonte: Er betreibt die Wasserversorgung in diesen Dörfern nicht. Die Dörfer haben eigene Wassersysteme. Da sie aber zum Gebiet der Gemeinde gehören, bleibt der Betrieb für Aufsicht und Prüfung zuständig.

Hier beginnt die Geschichte, die die Mitteilung nicht zu Ende erzählt. Wer baut diese Dorfwasserleitungen, wer wartet sie, wer kontrolliert sie und wie oft? Die Antwort auf die letzte Frage ist eine Zahl, die man sich merken sollte: Das Zentrum für öffentliche Gesundheit in Tetovo führt jährlich rund 400 Analysen für die Stadt und ihre 99 Dörfer durch. Aufgeteilt sind das etwas mehr als vier Analysen pro Ortschaft und Jahr - für Systeme, die eigenständig und ohne zentrale Aufsicht betrieben werden.

Der Vorsitzende trank Wasser vor der Kamera

Gajur Sinani, Vorsitzender der Ortsgemeinschaft in Golema Recica, widersprach dem Verbot öffentlich. Vor laufenden Kameras trank er Wasser, um zu zeigen, dass es kein Problem gebe, fragte, wo genau die Proben entnommen worden seien, und erinnerte daran, dass das Wasser aus sicheren Bergquellen stammt, die monatlich regelmäßig geprüft werden. „Das Wasser ist klar wie eine Träne, sie sollen sich überhaupt keine Sorgen machen“, sagte er.

Die Szene ist nachvollziehbar - er verteidigt seine Leute und seine Quelle. Doch genau deshalb ist sie auch ein Zeichen, dass etwas nicht funktioniert. Wenn ein Lokalpolitiker vor der Kamera Wasser trinken muss, um einer Analyse einer öffentlichen Institution zu widersprechen, dann liegt das Problem nicht mehr nur im Wasser, sondern darin, wem der Bürger glauben soll.

Gostivar ist die Warnung, die noch frisch ist

Fünfzig Kilometer westlich, in Gostivar, wurde vor einem Monat wegen schwerer Verunreinigung des städtischen Wassersystems mit Fäkalien und Bakterien eine Epidemie ausgerufen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Verfahren, drei Führungskräfte des kommunalen Betriebs „Komunalec“ wurden festgenommen und befinden sich derzeit in Untersuchungshaft. Das Ende der Epidemie wurde vor einer Woche erklärt.

Nun teilt „Komunalec“ mit, das Wasser in Gostivar sei wieder sicher, gestützt auf Analysen von Proben aus sieben Punkten im Verteilnetz, und kündigt an, dass die tägliche Probenahme fortgesetzt wird. Genau das ist der mit bloßem Auge sichtbare Unterschied: In Gostivar werden jetzt täglich Proben genommen, nachdem es eine Epidemie und Verhaftungen gab. In den Dörfern bei Tetovo werden vier pro Jahr genommen, bevor etwas passiert.

Das Verbot in den vier Dörfern kann schnell und folgenlos enden. Doch die Frage, die bleibt, lautet nicht, ob das Wasser in Golema Recica klar wie eine Träne ist. Die Frage ist, wer es beim nächsten Mal rechtzeitig wissen wird.