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Eine Brücke, über die Wasser fährt, keine Autos: die Stadt zwischen Bordeaux und Toulouse, an der Millionen vorbeifahren

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Eine Brücke, über die Wasser fährt, keine Autos: die Stadt zwischen Bordeaux und Toulouse, an der Millionen vorbeifahren

Zwischen Bordeaux und Toulouse liegt eine Stadt mit dreißigtausend Einwohnern, an der Millionen Reisende vorbeifahren, ohne den Kopf zu wenden. Sie heißt Agen, und dort gibt es eine Brücke, über die keine Autos fahren - über sie fährt Wasser.

Die Kanalbrücke aus dem neunzehnten Jahrhundert trägt einen ganzen Kanal über die Garonne. Von der Seite betrachtet wirkt es wie ein Fehler in der Perspektive: Ein Schiff bewegt sich in der Luft über einem Fluss. Ingenieurtechnisch ist es die Lösung eines banalen Problems - der Kanal musste den Fluss queren, und der Fluss wollte ihn nicht aufnehmen. Optisch ist es einer der seltsamsten Anblicke Südwestfrankreichs.

Die Stadt ist ruhig und elegant, und genau deshalb bleibt sie unbekannt. Agen hat das Pech, zwischen zwei Tourismusriesen zu liegen - eine Position, in der jede Stadt zum bloßen Autobahnschild wird. Jeder auf dem Balkan kennt so eine Stadt: die, vor der man auf einen Kaffee hält und nach der man weiterfährt.

Was drinnen ist

Der historische Kern ist mittelalterlich, mit Arkadenstraßen und Fachwerkhäusern - jener Fassadentyp, den man in Europa meist auf restaurierten Postkarten sieht, während er hier noch als gewöhnliches Wohnhaus dasteht. Die Kathedrale Saint-Caprais steht unter UNESCO-Schutz. Das Museum der Schönen Künste besitzt fünf Goya zugeschriebene Gemälde - eine Sammlung, mit der weit größere Städte ein ganzes Jahr werben würden.

Agen ist außerdem Synonym für etwas, das Sie wahrscheinlich schon gegessen haben, ohne die Herkunft zu kennen: die Agen-Backpflaume mit geschützter geografischer Angabe. Ein Fall, in dem ein lokales Produkt den Namen der Stadt um die Welt trägt, während die Stadt selbst nur jene empfängt, die sie suchen.

Praktisches

In der überdachten Markthalle sieht man den echten Rhythmus der Stadt. Zum Essen empfehlen sich Le Margoton und L'Imprévu, zum Übernachten das Hôtel Serra oder das Château des Jacobins. Nichts davon erfordert eine Reservierung sechs Monate im Voraus - und genau das ist der Sinn von Orten, die noch nicht entdeckt sind.

Die Stadt ist zudem Geburtsort des Fußballers Aymeric Laporte, Grund genug für manche, sie zum ersten Mal zu googeln. Manchmal braucht es einen bekannten Namen, damit eine ganze Stadt bemerkt wird - aber wenn man erst dort ist, interessiert niemanden mehr, wer wo geboren wurde.