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Die Vitrine mit Tellern aus drei Services hat endlich einen Namen: der Trend, den Häuser auf dem Balkan seit Jahrzehnten leben

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Die Vitrine mit Tellern aus drei Services hat endlich einen Namen: der Trend, den Häuser auf dem Balkan seit Jahrzehnten leben

Ein Regal, überladen mit Büchern. Eine Kommode mit Familienfotos. Eine Vitrine, in der Teller aus drei verschiedenen Services durcheinandergehen. Ein Couchtisch, der nie ganz leer ist. Bis vor Kurzem war das etwas, das man versteckte, wenn Gäste kamen. Jetzt hat es einen Namen und eine ganze Theorie dahinter.

Der Begriff lautet „purposeful clutter“ - absichtliche Unordnung. Der Name ist schlecht gewählt und wird leicht missverstanden, deshalb lohnt es sich, gleich zu klären, was er nicht meint. Es ist kein planloses Anhäufen. Es ist auch kein Maximalismus - der sucht Fülle über Farbe, Muster, Textur und das Mischen von Stilen. Hier geht es um die Gegenstände und die Geschichte dahinter. Ein Raum mit weißen Wänden, schlichten Möbeln und neutralen Tönen passt perfekt dazu.

Esszimmer mit hölzerner Vitrine und Tapete an der Wand

Die Vitrine ergibt wieder Sinn. Teller, Gläser, Untertassen und Schalen hören auf, bloße Funktion zu sein. Und das Beste: Es muss nicht alles aus demselben Service stammen. Eine Kombination aus schlichten und gemusterten Stücken, Gläser in verschiedenen Formen, Tabletts aus verschiedenen Zeiten - das ergibt ein besonderes Resultat. Wiederhole nur eine Farbe oder ein Material, damit sie sich untereinander verbinden und nicht aussehen, als wären sie auf einmal gekauft worden.

Zu vermeiden ist der Schaufenstereffekt. Manche Regalböden dürfen voll sein, andere sollen atmen. Ein Tellerstapel neben einem schräg gestellten Tablett, ein paar Tassen neben Keramik - das bricht die Regelmäßigkeit und erweckt den Eindruck einer über Jahre gewachsenen Sammlung statt einer Bestellung von einem einzigen Tag.

In der Küche ist das Praktische bereits Dekoration. An die Wand gelehnte Holzbretter, ein Körbchen mit Tüchern, ein paar Kochbücher, ein Keramikkrug, ein Mörser. Nicht alles muss in den Schrank - manche Werkzeuge haben genug Präsenz, um Teil des Raums zu sein. Aber wähle aus: Die Arbeitsfläche darf nicht ersticken. Gruppiere nach Funktion oder Größe - Öle und Gewürze auf einem Tablett, Textilien im Korb, Bücher und Keramik auf einem Bord.

Bilder müssen kein Raster bilden. Fotografien, Grafiken, Zeichnungen, kleine Spiegel, sogar Keramikteller können sich dieselbe Wand teilen, ohne ein regelmäßiges Gitter zu ergeben. Die Formel, die immer funktioniert: Geh von einem größeren Stück aus und ordne den Rest darum herum an. Die Verbindung zwischen den Stücken muss nicht offensichtlich sein - derselbe Rahmen, eine wiederkehrende Farbe oder ein ähnliches Größenverhältnis genügt.

Wohnzimmer mit Kamin und Einbauregalen in Dunkelgrün

Ein Bücherregal ist nicht nur für Bücher da. Wenn das Regal persönlich wirken soll, durchbrich die Reihe der Buchrücken mit Rahmen, kleinen Skulpturen, Pflanzen, Erinnerungsstücken. Auch hier kehrt sich die Regel um - gruppiere nicht nach Arten. Mische. Ein paar aufrecht stehende Bücher dürfen sich ein Bord mit Keramik teilen, ein liegender Stapel dient als Sockel für eine kleine Skulptur, eine Fotografie lehnt hinter einem Gegenstand.

Das Sofa soll aussehen, als hätte jemand darauf gesessen. Wenn die Kissen millimetergenau angeordnet sind, mag man sich nicht setzen. Verschiedene Größen, Stoffe und Muster, ohne sichtbare Ordnung platziert, bewirken das Gegenteil. Viele Farben braucht es nicht - zwei oder drei Töne genügen. Achte auf die Proportionen: ein großes quadratisches Kissen hinten, ein rechteckiges davor und ein kleineres Stück erzeugen Tiefe.

Das Kinderzimmer ist der Ort, an dem das ohnehin passiert. Der Versuch, bis zum Abend alles verschwinden zu lassen, ist eine nahezu unmögliche Mission. Die Bilderbücher, die Zeichnungen, die Spielsachen, die Bauklötze. Statt zu kämpfen, lass sie Teil des Raums werden. Doch jeder Gegenstand braucht seinen Platz: ein Bord auf ihrer Höhe für die liebsten Bücher, Haken an der Wand, Körbe für Spielzeug, niedrige Möbel für das, was am meisten benutzt wird.

Beistelltische dürfen wieder benutzt werden. Ein Buch, eine Zeitschrift, ein Tablett, eine Kerze. Der Couchtisch oder das Tischchen neben dem Sofa muss nicht völlig leer bleiben, wenn du das Wohnzimmer aufräumst - es genügt, Platz für eine Tasse, ein Tablet oder die Fernbedienung zu lassen. Dasselbe gilt für den Nachttisch: ein angefangenes Buch, die Brille, das Telefon. Es gibt keinen Grund, alles in einer Schublade verschwinden zu lassen. Unterscheide nur, was wirklich dorthin gehört, von dem, was nur darauf wartet, weggeräumt zu werden - Kabel, Ladegeräte, Handcreme.

Und das Letzte, das eigentlich der ganze Punkt ist: Es muss nicht alles zusammenpassen. Statt dass alles zu einer Kollektion oder einem Stil gehört, liegt der Sinn darin, Dinge zu verbinden, die dir gefallen, obwohl sie aus verschiedenen Momenten stammen. Das Ergebnis ähnelt weniger einem auf einmal gekauften Set und mehr einem über die Zeit gewachsenen Zuhause. Und genau so sahen Häuser auf dem Balkan schon immer aus - eine Vitrine mit einem Service, das nie jemand vervollständigt hat, das Bild eines Großvaters neben etwas von einer Reise Mitgebrachtem. Die Jahre, in denen das als unordentlich galt, sind vorbei. Jetzt ist es ein Trend mit englischem Namen.