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23.04.2026
23.04.2026
12.04.2026
Es gibt Häuser, die beeindrucken wollen, und Häuser, die eine Geschichte erzählen wollen. Das Landhaus von Cordélia de Castellane, eine Stunde nördlich von Paris in der Region Oise, ist eines der Letzteren - ein Ort, um Erinnerungen zu schaffen, nicht um Reichtum zur Schau zu stellen.
Castellane ist kein gewöhnlicher Name in der Welt des Designs. Halb Französin, halb Griechin aristokratischer Abstammung, ist sie seit 2012 künstlerische Direktorin von Dior Home und Baby Dior und eine der angesehensten Innenarchitektinnen in Paris. Doch in diesem Haus wollte sie nicht etwas Neues und Lackiertes schaffen - sie wollte die Seele des Ortes bewahren. „Ich habe vieles renoviert, aber sehr darauf geachtet, die Seele zu bewahren”, sagt sie.
Das sieht man in jedem Raum. Geerbte Möbel, Funde aus Antiquitätenläden, Textilien und über die Jahre gesammelte Gegenstände erzählen die Geschichte einer Familie. Castellane gibt offen zu, dass sie Dinge, die „an ihrem Platz” stehen, nicht mag, ebenso wenig übermäßig aufgeräumte Interieurs. „Ich will nicht das Offensichtliche”, sagt sie. Und genau diese absichtliche Unordnung ist es, die das Haus lebendig macht.
Die Wohnküche ist immer bereit, Gäste zu empfangen. Ihr Signature-Gericht - gefüllte Aubergine - wird hier regelmäßig serviert, und die Tische werden je nach Stimmung oft umgestellt, mal mitten im Garten, mal in einem Raum mit besonderer Beleuchtung. Gastfreundschaft ist bei ihr kein Protokoll, sondern Behaglichkeit: „Ich will nicht steif oder förmlich empfangen, das bin ich nicht. Es kommen nur Menschen herein, die mir etwas bedeuten.”
Das Schlafzimmer ist einer ihrer Lieblingswinkel, und sein Reiz hängt, sagt sie, vom Licht und von der Jahreszeit ab. Jeder Raum verändert sich mit den Jahreszeiten - derselbe Blickwinkel sieht im Juli anders aus als im November. Es ist ein Haus, das gemeinsam mit der Außenwelt atmet.
Doch das wahre Herz des Anwesens ist der Garten. „Das ist mein Labor”, sagt Castellane, denn daraus schöpft sie die Inspiration für ihre Arbeit bei Dior. Sie beschreibt ihn als Verbindung zweier Seiten - der französischen, klar und symmetrisch, und der englischen, mit einer heitereren, gut organisierten Unordnung. „Ich mag ihn voller Zärtlichkeit und Poesie.”
Blumen sind für sie keine Dekoration, sondern eine Regel. Nur saisonal, niemals künstlich. „Die Natur gibt uns schon genug”, sagt sie. Sie stellt sie überall hin - auf die Tische, in die Flure, in die Badezimmer, in die Küche - meist in besondere Vasen oder kleine Gläser, damit alles leicht und luftig bleibt. Das Gewächshaus in einer Ecke des Anwesens ist ein weiterer ihrer Lieblingsplätze.
Und die Verbindung zwischen Zuhause und Arbeit? Castellane kehrt die übliche Logik um. Nicht das Haus prägt ihr Dior durch sie - sondern umgekehrt. „Der Garten ist mein Labor, denn ich habe dieselbe Liebe zu Blumen, die auch Herr Dior hatte.” Eine Lehre, die auch außerhalb der Welt der Haute Couture gilt: Der Ort, an dem du lebst, muss keine Ausstellung sein. Er kann ein Labor sein - für das Leben, nicht für Fotografien.
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