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Frachter mit ukrainischem Getreide vor Odessa gesunken: neun tote Seeleute, die mit diesem Krieg nichts zu tun hatten

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Frachter mit ukrainischem Getreide vor Odessa gesunken: neun tote Seeleute, die mit diesem Krieg nichts zu tun hatten

Der unter türkischer Flagge fahrende Frachter „Golden Leo” sank am 26. Juli im Golf von Odessa. Er sank nicht beim Angriff - er sank eine Woche später, nachdem man sieben Tage lang versucht hatte, zu retten, was von ihm übrig war. Der Versuch scheiterte.

Der Treffer erfolgte am 19. Juli. Das Schiff verließ den Hafen Tschornomorsk über den ukrainischen Seekorridor im Schwarzen Meer, als es von drei Marschflugkörpern des Typs Ch-59/Ch-69 getroffen wurde. Laut der ukrainischen Seeverwaltung traf eine der Raketen die Steuerbordseite und löste einen großen Brand aus. Rumpf und Aufbauten wurden schwer beschädigt, das Schiff lief auf Grund, eine Reparatur erwies sich als unmöglich.

Bei dem Angriff kamen mindestens neun Besatzungsmitglieder ums Leben - Seeleute aus Indien und Syrien sowie ein ukrainischer Hafenlotse. Acht Überlebende wurden in Kliniken in Odessa gebracht, mindestens ein indischer Staatsbürger ist in kritischem Zustand. Die Ladung war ukrainischer Mais. Das russische Verteidigungsministerium äußerte sich nicht zu den ukrainischen Angaben.

Neun Seeleute und keine Flagge, die sie schützt

Hier lohnt sich ein Halt. Das Schiff ist türkisch. Die Ladung ist ukrainisch. Die Toten sind Inder, Syrer und ein Ukrainer. Keiner dieser Menschen hat über diesen Krieg entschieden, und keiner von ihnen war an einer Front.

Das ist die Anatomie der Handelsschifffahrt - Besatzungen aus den ärmsten Arbeitsmärkten der Welt, unterwegs unter einer Flagge, die aus steuerlichen und nicht aus Sicherheitsgründen gewählt wurde. Wenn eine Rakete startet, bedeutet die Flagge nichts. Die indische Familie, die auf Nachricht aus Odessa wartet, bekommt keine diplomatische Note.

Das Schwarze Meer ist nicht so weit weg, wie es scheint

Der ukrainische Seekorridor ist der Grund, warum Mais aus Odessa überhaupt auf die Märkte gelangt. Jedes auf dieser Route getroffene Schiff ist nicht nur verlorene Ladung - es ist eine Botschaft an jeden nächsten Transporteur und an jeden Versicherer, der die Prämie für diese Strecke kalkuliert.

Das Schwarze Meer ist Nachbargewässer des Balkans, keine ferne Meerenge. Die Häfen Rumäniens und Bulgariens arbeiten im selben Becken. Wenn dort ein Handelsschiff untergeht, ist das keine abstrakte Kriegsstatistik.

Der größte Teil der Berichterstattung über diesen Krieg dreht sich um Fronten und Städte. Doch die Linie, die am meisten sagt, ist die auf dem Meer: ein ziviles Getreideschiff, drei Raketen und neun Menschen, die mit keiner Seite dieses Konflikts je etwas zu tun hatten.