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Grokipedia ist seit April verwaist: sechs Millionen Texte, die niemand mehr prüft

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Grokipedia ist seit April verwaist: sechs Millionen Texte, die niemand mehr prüft

Grokipedia wurde als genauere Alternative zu Wikipedia angekündigt. Heute ist sie etwas anderes - ein digitales Objekt, das läuft, besucht wird und nicht gepflegt wird. Laut einer Untersuchung von Lawfare wurde seit dem 24. April dieses Jahres kein einziger Artikel bearbeitet.

Die Analyse umfasste über 34.000 Seiten mit 225.496 vorgeschlagenen Änderungen. Das Ergebnis: „keine einzige angenommene oder abgelehnte Korrektur in den letzten drei Monaten". Das ist keine Plattform, die Korrekturen ablehnt - das ist eine Plattform, bei der niemand nachsieht, ob überhaupt welche eingegangen sind. Die Rubrik der jüngsten Änderungen zeigt inzwischen keine verfügbaren Aktualisierungen, und das Entscheidungsprotokoll für Nutzervorschläge funktioniert nicht mehr.

Sechs Millionen Texte, null Leser auf der anderen Seite

Das Projekt startete im Oktober 2025 mit rund 885.000 Artikeln. Bis November wuchs die zweite Version auf über sechs Millionen Texte. Die Zahl beeindruckt, bis man fragt, wer sie geschrieben und wer sie geprüft hat. Wikipedia ist genau deshalb langsam, weil dort Menschen um jeden Satz streiten. Dieses „langsam" ist ihre einzige Qualität.

Die Untersuchung förderte etwas Schwereres zutage als Vernachlässigung. Grokipedia schöpfte häufig aus Quellen, die Wikipedia-Redakteure für unzuverlässig halten - darunter das neonazistische Stormfront und Infowars. Die Plattform, die eine angebliche Voreingenommenheit korrigieren sollte, stützte sich also auf jene Quellen, vor denen alle anderen davonlaufen.

Millionen Besuche in einem leeren Gebäude

Trotz des Stillstands zieht Grokipedia weiterhin Millionen Besucher pro Monat an. Das ist der Teil, der am wenigsten kommentiert wird und am meisten bedeutet: Der Inhalt bleibt online, wird weiter gelesen, weiter zitiert - und niemand steht mehr dahinter. Eine eingefrorene Enzyklopädie ist nicht neutral. Sie ist die Momentaufnahme eines Tages, festgeklemmt, als wäre sie ewige Wahrheit.

Das Unternehmen beantwortete Medienanfragen zum Status des Projekts nicht. Elon Musk erwähnte es zuletzt öffentlich im Februar 2026. Seitdem - Stille, während die Seiten sich weiter öffnen.

Die Frage ist nicht, ob Musk zum Projekt zurückkehrt. Die Frage ist, wie viele Menschen heute etwas lesen, das wie eine Enzyklopädie aussieht und in Wahrheit ein verlassenes Lager ist.