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Sechs Anzeigen in 24 Stunden: Gewalt in der mazedonischen Familie hat ihren eigenen Fahrplan, die Institutionen kommen zuletzt

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Sechs Anzeigen in 24 Stunden: Gewalt in der mazedonischen Familie hat ihren eigenen Fahrplan, die Institutionen kommen zuletzt

Sechs Anzeigen in 24 Stunden. Danach noch einige. Radovis, Veles, Negotino, Tetovo, Skopje, Debar, Makedonska Kamenica, Suto Orizari - die Geografie ändert sich, das Muster nicht. Jemand aus der engsten Familie hat zugeschlagen, gedroht, und danach kam die Polizei, um aufzuschreiben, was die Nachbarn längst wussten.

Die Liste aus den Polizeiberichten vom 27. und 28. August liest sich wie eine Landkarte. In Radovis griff ein 25-Jähriger seine 20-jährige Schwester körperlich an. In Veles attackierte und bedrohte ein 37-Jähriger seine 33-jährige Lebensgefährtin. In Negotino wurde ein 42-Jähriger aggressiv und bedrohte die eigenen Eltern. In Tetovo griff ein 23-Jähriger seine Lebensgefährtin an. In Skopje zeigte eine 22-jährige Frau an, dass ihr Onkel sie in einem Lokal angegriffen habe. In Debar schlug ein Mann eine Minderjährige vor den Augen ihrer Eltern.

Der schwerste Fall kam aus Makedonska Kamenica. Laut Anzeige ging dem Vorfall um 21:35 Uhr ein Streit zwischen einer 23-jährigen Frau und ihrem Ehemann voraus. Danach griff sie ihre Schwiegermutter an und warf ein Messer nach dem Schwiegervater, das ihn am Bein traf. Er schlug mit einem harten Gegenstand zurück. Das ist eine Szene aus einem Horrorfilm - nur dass sie in einem Haus in Ostmazedonien stattfand, an einem Dienstagabend, zwischen Menschen, die an einem Tisch sitzen.

In Suto Orizari landeten vier Personen nach einer Schlägerei in einem Wohnhaus bei der Polizei. In allen Fällen ist die Reaktion dieselbe: Die Staatsanwaltschaft wird informiert, entsprechende Anzeigen folgen.

Die Zahl, die nie angezeigt wird

Was die Polizeistatistik zeigt, ist nur der Teil, der es über vier Wände hinaus geschafft hat. Jede dieser Anzeigen bedeutet, dass jemand sich endlich entschieden hat, zum Telefon zu greifen - ein Verwandter, ein Nachbar, das Opfer selbst. An wie vielen anderen Abenden hat in denselben Städten niemand angerufen? Das weiss auch das Innenministerium nicht.

Das Muster ist in jeder Anzeige gleich: Streit, körperlicher Angriff, Drohung, dann erscheint die Institution, wenn alles schon passiert ist. Die Polizei macht ihre Arbeit - sie nimmt fest, dokumentiert, informiert die Staatsanwaltschaft. Aber die Festnahme ist das letzte Glied der Kette, nicht das erste. Die Frage, die kein Bericht beantwortet: Was passiert mit diesen Familien nächste Woche, wenn die Akte im Archiv liegt und die Menschen im selben Haus bleiben.

Das Gesetz zur Verhütung und zum Schutz vor Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt existiert. Die Zentren für Sozialarbeit existieren. Die Schutzhäuser existieren, zumindest auf dem Papier. Und der Polizeibericht bringt weiterhin jeden zweiten Tag dieselbe Liste mit anderen Städtenamen.