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Kein "serbischer Magyar" - und vielleicht gibt es auch keinen echten Magyar: Was verbirgt Ungarns neuer Anfuehrer?

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Es dauerte nur wenige Tage. So lange brauchte Serbiens Opposition, um eine ganze Parallele aufzubauen - und so lange, bis sie zusammenbrach. "Serbischer Magyar" - das war die Formel: Wenn Orban fallen kann, kann auch Vucic fallen. Die Euphorie war enorm. Und dann - eine kalte Dusche.

Selbst die oppositionsnahe "Danas" setzte eine Schlagzeile auf ihre Titelseite, die alle Blockade-Hoffnungen versenkte: "Es gibt keinen serbischen Magyar." Vier Analysten - alle der Opposition nahestehend - stimmten ueberein: Die Parallele zwischen Ungarn und Serbien ist unhaltbar.

Gjorgje Vukadinovic, ehemaliger Abgeordneter und Herausgeber der "Nova Srpska Politicka Misao," sagte offen: "Es gibt keinen serbischen Peter Magyar. Weder in der Regierung noch in der Opposition. Zumindest nicht im Sinne eines Regime-Insiders, der ueberlaeuft und in ein, zwei Jahren einen politischen Boom erzeugt."

Russischer Blick: Magyar ist ein Nationalist mit liberaler Maske

Waehrend Belgrad seine Enttaeuschungen zaehlt, analysiert Moskva Magyar aus einem voellig anderen Winkel. Der russische Politologe Nikolai Sorokin behauptet, Ungarns neuer Anfuehrer sei nicht das, wofuer er sich ausgibt: "Magyar kommt aus demselben sozialen Kreis wie Orban. Er sympathisiert mit den Liberalen, ist aber eigentlich von Anfang an ein Nationalist - er war Teil von Orbans Kreis."

Sorokin fuegt ein Schluesseldetail hinzu: Niemand in Ungarn, ausser wenigen Prozent, will eine proukrainische Regierung. Magyar kuendigte einen 90-Milliarden-Kredit fuer die Ukraine und die Oeffnung der Tuer zur EU-Mitgliedschaft an, sagte aber gleichzeitig, dass eine seiner Prioritaeten ein Treffen mit Putin sein werde - besonders bei Fragen der Kohlenwasserstoffe.

"Sie halten ihn am Haken und jetzt wird er gezwungen sein, einen Teil seiner Aktionen mit Bruessel zu koordinieren. Er wird nicht einfach aus dem Boot steigen und Orbans Politik fortsetzen koennen," schliesst Sorokin.

Also: Weder wird Serbien seinen eigenen Magyar bekommen, noch wird Magyar das sein, was der Westen gekauft zu haben glaubt. Der Balkan und Mitteleuropa bestaetigen erneut, dass sich politische Formeln nicht ueber Grenzen kopieren lassen - jedes Land schafft seine eigenen Illusionen.