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Microsoft entscheidet: wird das Ökoenergie-Versprechen den KI-Rechenzentren geopfert

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Microsoft diskutiert intern, ob der Plan für saubere Energie bis 2030 verschoben oder abgeschwächt werden soll. Der Grund ist offensichtlich: KI-Rechenzentren brauchen jetzt Energie, und Sonne und Wind liefern keinen Strom „auf Abruf".

2020 versprach das Unternehmen, dass bis 2030 jede Stunde seines Verbrauchs durch saubere Energie im gleichen Netz gedeckt sein würde. Ein ehrgeiziges Ziel - stündliche Deckung, nicht jährliche. Der Unterschied ist grundlegend: jährliche Ziele sind ein Buchhaltungstrick, bei dem das Unternehmen irgendwo weit weg grüne Zertifikate kauft und sich „carbon neutral" nennt. Stündliche Deckung bedeutet echten grünen Strom im richtigen Moment, im richtigen Netz.

Inzwischen baut Microsoft Gaskraftwerke. Mit Chevron entsteht eine Kapazität von 5 Gigawatt auf Erdgas in West-Texas. Fünf Gigawatt - etwa so viel wie drei Atomreaktoren. Das ist keine „Transition" - das ist der Bau neuer fossiler Infrastruktur mit klarer Absicht, ein Jahrzehnt oder länger zu laufen.

Warum ist das für europäische Leser wichtig? Weil die Rechenzentren, die die EU mit Milliardeninvestitionen lockt, derselben Mathematik folgen. KI verlangt Energie. Saubere Energie ist variabel. Gas ist stabil und billig. Sogar ein Unternehmen, das sich als „grüner Marktführer" verkauft - Microsoft war der erste Tech-Gigant mit Klimazusagen -, kauft sich jetzt die eigene Ausrede.

Das interne Argument bei Microsoft lautet, das Aufgeben des stündlichen Ziels könne eine PR-Katastrophe sein. Stündliche Deckung ist Wettbewerbsvorteil in Gesprächen mit Kommunen, die keinen riesigen Stromfresser nebenan wollen. Ohne ihn - was verkauft Microsoft? „Wir sind wie alle anderen"?

Fazit ohne Illusionen: die Klimaversprechen von 2020 wurden in einer Zeit gemacht, in der niemand vorhersah, dass eine Trainingsstunde eines KI-Modells Strom wie eine Kleinstadt verbraucht. Jetzt, da die Annahmen falsch sind, frisieren die Konzerne die Zahlen. Die Frage ist nicht, ob Microsoft das Ziel verfehlt - sondern wie elegant das geschieht.