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Netanjahu griff Europa am Holocaust-Gedenktag an: Moralische Schwäche oder moralischer Schild?

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Am Holocaust-Gedenktag entschied Benjamin Netanjahu, Europa wegen "tiefer moralischer Schwäche" anzugreifen - so beschreibt der israelische Premierminister den alten Kontinent und fügt hinzu, dass Israel und die USA für eine "Welt kämpfen, die uns weitgehend verlassen hat." Eine schwere Aussage von einem Mann, dessen Armee seit Monaten unter internationaler Kritik steht.

Die Zeremonien wurden vorab wegen Sicherheitsspannungen reduziert - was für sich genommen schon ausreichend über den Zustand spricht, in dem sich Israel befindet. Präsident Hercog rief zur nationalen Einheit auf, aber Einheit wofür? Um eine Politik, die Israel von einem Großteil der Welt isoliert?

Die schwerste Geschichte dieses Tages ist die von Magda Barac - einer Holocaust-Überlebenden, deren Enkel in Gaza stirbt. Eine Frau, eine Familie, zwei völkermörderische Schrecken, durch sechzig Jahre getrennt. Das ist eine Geschichte, vor der jede politische Rhetorik verstummen sollte. Aber sie wird es nicht, denn Politik schweigt nie, wenn sie von Tragödie profitieren kann.

Eine zweiminütige Sirene hallte durch ganz Israel. Fünfzig Überlebende marschierten in Auschwitz. Und Netanjahu wählte statt Reflexion die Konfrontation. Auf dem Balkan kennen wir dieses Muster - historischen Schmerz als Schutzschild für heutige Entscheidungen zu nutzen. Es ist immer nützlich, mit dem Finger auf andere zu zeigen, statt in den Spiegel zu schauen.