Skip to content

Orbán trank kaltes Bier in Guča: Alle fotografierten ihn, und niemand erwähnte, dass er nicht mehr Ministerpräsident ist

1 Min. Lesezeit
Teilen
Orbán trank kaltes Bier in Guča: Alle fotografierten ihn, und niemand erwähnte, dass er nicht mehr Ministerpräsident ist

Viktor Orbán tauchte beim Trompetenfestival von Dragačevo in Guča auf, ließ sich mit jedem fotografieren, bestellte ein kaltes Bier und setzte sich an den Grill. Die Besucher waren überrascht, die Aufnahmen verbreiten sich, und die Schlagzeilen beschreiben ihn als Star des diesjährigen Festivals.

Was in diesen Schlagzeilen meist fehlt, ist eine Kleinigkeit: Orbán ist nicht mehr Ministerpräsident Ungarns. Er verlor die Macht bei den Wahlen im April nach sechzehn Jahren, im Mai übernahm Péter Magyar das Amt. Der Mann, der lächelnd durch Guča spaziert, ist Oppositionsführer, nicht Regierungschef.

Der Unterschied, der das ganze Bild verändert

Das ist keine Fußnote. Wenn ein amtierender Regierungschef eines EU-Mitgliedstaats zu einem serbischen Volksfest kommt, ist das Außenpolitik in Tracht. Tut ein ehemaliger Ministerpräsident dasselbe, ist es etwas völlig anderes - ein Politiker, der jenes Netz an Freundschaften pflegt, das ihm blieb, nachdem die Wähler ihm das Amt genommen haben.

Zeugen berichten, er sei gut gelaunt gewesen und habe kein einziges Foto abgelehnt. „Der Mann ist wirklich eine Legende, lächelnd und bestens gelaunt, er hat keine Fotos verweigert”, sagte ein Besucher.

Jeder Politiker, der ein Foto nicht ablehnt, weiß genau, warum. Es ist der billigste Wahlkampf, den es gibt - und in Guča halten die Wähler die Kameras selbst.

Kaltes Bier als politische Botschaft

Nach dem Rundgang kehrte Orbán in einem örtlichen Hotel ein, wo er ein kaltes Bier und heimische Spezialitäten bestellte - Grillfleisch und eine traditionelle Blätterteigpastete. Das Bild ist perfekt zugeschnitten: Keine einzige Einstellung sieht nach Staatsamt aus, und doch wirkt jede Einstellung politisch.

Dieses Format beherrscht Orbán seit Jahren. Während man ihn in Brüssel mit den härtesten Worten beschrieb, bewegte er sich auf dem Balkan wie ein Gast des Hauses. Das ist kein Zufall, das ist eine aufgebaute Position - und diese Position überlebt offenkundig auch verlorene Wahlen.

Was von einem verlorenen Mandat bleibt

Die Frage, die sich lohnt: Warum bekommt ein Mann ohne Amt noch immer einen Empfang, als hätte er eines? Die Antwort: Einfluss und Macht sind nicht dasselbe, und auf dem Balkan versteht man diesen Unterschied bestens. Ämter wechseln alle paar Jahre, Verbindungen bleiben.

Wer erwartet hatte, eine verlorene Wahl bedeute auch den Abgang von der regionalen Bühne, bekam in Guča eine recht klare Antwort. Die Trompeten spielten, das Bier war kalt, und das Lächeln funktionierte genau wie zuvor.