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„Pulse": Tropfen brennenden Schaumstoffs auf Gjorgjievskis Jacke. Die Frage ist nicht, wer angezündet hat - sondern wer geschwiegen hat

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Im Prozess um den Brand im Kočanier Club „Pulse" hat die Staatsanwaltschaft Sachbeweise vorgelegt, die noch ein dunkleres Licht auf die Ereignisse jener Nacht werfen. Darunter - Tropfen brennenden Schaumstoffs, gefunden auch auf der Jacke des Sängers Andrej Gjorgjievski. Dieselben Tropfen fanden sich auch auf den Opfern.

In der Verhandlung am Dienstag wurden vorgelegt:

Ein verbrannter Empfänger zur Aktivierung einer pyrotechnischen Einrichtung. Unbenutzte pyrotechnische Ladungen. Batterien. Ein schwarzer Rucksack mit Ausrüstung. Ein Fotoalbum mit 92 Aufnahmen vom Tatort - einschließlich der Innenansicht, der Bühnenaufstellung und der Gitter an den Fenstern. Drei leere Feuerlöscher.

Und die Türen. „Zweiflügelige Trenntüren aus Aluminium und eine Seitentür ohne Schloss, mit verschlossenem Vorhängeschloss und Metallringen." Das ist ein Zitat aus den Akten der Staatsanwaltschaft - nicht aus einem Wochenend-Boulevardblatt.

Die forensische Analyse zeigte, dass der brennende Schaumstoff heiße Tropfen erzeugte. Diese fanden sich sowohl an Teilen der Opfer als auch an der Kleidung des Sängers Gjorgjievski. Abstand zwischen Bühne und Decke - rund 2,7 Meter. Pyrotechnische Fontänen - mit einer Reichweite größer als dieser Abstand.

Was heißt das? Dass jemand Pyrotechnik in einem Raum zündete, in dem klar war, dass die Decke zu niedrig ist. Mit Schaumstoff an den Wänden. Mit verschlossenen Fluchttüren. Mit leeren Feuerlöschern. Mit einem Aktivierungsempfänger, der im Brand selbst verbrannte.

Das ist kein „Unfall". Das ist eine Kette bewusster Entscheidungen - und auch heute steht die Frage nach den Verantwortlichen offen. Wer installierte die Pyrotechnik? Wer genehmigte Schaumstoff als akustische Verkleidung? Wer schloss die Türen ab? Wer antwortet für die leeren Feuerlöscher? Wer erlaubte eine Veranstaltung ohne Brandschutzgenehmigung?

Für die Familien der 62 Opfer ist jede neue Verhandlung ein erneutes Aufreißen der Wunden. Für die mazedonische Justiz ist jede neue Verhandlung ein Test, ob der „Fall Pulse" ein echter Prozess wird - oder ein Schauprozess mit ein paar offensichtlichen Schuldigen und vielen Geschützten dahinter.

Die Tropfen brennenden Schaumstoffs auf Gjorgjievskis Jacke sind nicht nur physisches, sondern auch symbolisches Indiz. Sie zeugen vom Schweigen all jener, die wussten, dass das Gebäude nicht sicher war - und trotzdem auftraten, Tickets verkauften und Eintritt kassierten.

Die Frage lautet nicht nur „wer zündete". Die Frage lautet „wer schwieg" - und ob diese im gleichen Maße zur Verantwortung gezogen werden.