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Noch ein mazedonischer Fahrer brennt auf einer kroatischen Autobahn. Wie oft werden wir dieselbe Schlagzeile lesen?

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Auf der kroatischen Autobahn A3, auf der Strecke von Zagreb nach Bregana, in der Nähe von Sredanci, ereignete sich am Dienstagabend eine Tragödie. Ein Lkw mit mazedonischem Kennzeichen kam von der Fahrbahn ab, durchbrach die Mittelleitplanke, prallte gegen einen Pfeiler, geriet in die Gegenspur, prallte erneut - und ging in Flammen auf. Der Fahrer, ein Mazedonier, blieb im Führerhaus eingeschlossen und kam ums Leben.

Laut Polizei der Gespanschaft Brod-Posavina ereignete sich der Unfall um 14:15 Uhr im Gebiet von Donji Andrijevci. „Der Fahrer befand sich auf der Südspur, als das Fahrzeug auf der Nordseite von der Fahrbahn abkam", teilten die Behörden mit. Der Verkehr war über mehrere Stunden teilweise gesperrt, während die Ermittlungen und die Räumarbeiten liefen.

Wieder stirbt ein mazedonischer Lkw-Fahrer fernab der Heimat. Das ist der unsichtbare Beruf unserer Wirtschaft - Menschen, die täglich 1.500 Kilometer mit 40 Tonnen Last zurücklegen, mit 4-6 Stunden Schlaf, mit 45-minütigen Pausen an Tankstellen und mit Schichten, die nach 14-16 Stunden am Steuer enden. Das ist die Arbeit, die die Familien zu Hause ernährt - und ihren Söhnen das Leben auf der Straße kostet.

Warum verlässt ein solches Fahrzeug mitten am Tag, bei Sonne, auf einer einwandfreien Autobahn so dramatisch die Fahrbahn? Die Polizei ermittelt. Doch die Statistik für europäische Autobahnen ist eindeutig: Übermüdung der Fahrer, technische Mängel aus wirtschaftlichem Druck und unterbotene Liefertermine sind die Hauptursachen. Mazedonische Transportunternehmen arbeiten zu den niedrigsten Preisen Europas - was zugleich heißt: zu den engsten Fristen.

Wie oft werden wir dieselbe Schlagzeile lesen? „Mazedonischer Fahrer in Kroatien getötet". „Mazedonischer Fahrer in Deutschland getötet". „Mazedonischer Fahrer in Österreich getötet". Das sind keine Zufälle. Das ist ein Wirtschaftsmodell.

Und wenn die Frage „wer wird die Familie versorgen?" durch ist - kommt die unbequeme Frage an die Arbeitgeber: Werden die Fahrzeuge gewartet? Erhalten die Fahrer eine angemessene Ausbildung? Halten die Fahrpläne die europäischen Vorschriften ein? Wie viele gesetzliche Fristen werden im Jahr überschritten?

Mazedonien hat nach wie vor keine funktionierende Gewerkschaft der Transportarbeiter. Keine wirksame Aufsicht über die Spediteure. Und jede Nachricht wie diese aus Kroatien wird mit einem kurzen „mein Beileid" abgehandelt - ohne Follow-up, ohne Forderung nach Verantwortung.

Heute sind wir bei Sredanci. Morgen werden wir auf der nächsten Autobahn sein. Und wir werden den Namen des Fahrers nie erfahren - außer vielleicht, wenn der Psalm bei der Beerdigung gelesen wird.